Arbeitssicherheit auf der Anklagebank

Auf Einladung des lvh diskutierten neulich rund 50 Funktionäre aus dem Raum Bozen Land mit Landesrätin Martha Stocker, Abteilungsdirektor für Arbeit Helmuth Sinn und dem Amtsdirektor des Arbeitsinspektorats Sieghart Flader über die notwendigen Anpassungen und Rahmenbedingungen im Bereich der Arbeitssicherheit und Jugendbeschäftigung.

Arbeitssicherheit karneid_1000Rund 50 lvh-Funktionäre hatten sich in einem Handwerksbetrieb in Karneid versammelt, um auf die für das Handwerk nach wie vor schweren Belastungen aufmerksam zu machen. Dazu zählen in erster Linie die strengen Auflagen im Bereich der Arbeitssicherheit. „Gesetze müssen in Italien unbedingt mit mehr Hausverstand angewandt werden. Wir sind Unternehmer, die ihrer Arbeit nachgehen und nicht als Kriminelle behandelt werden wollen", so der Tenor der anwesenden Handwerkerinnen und Handwerker. Landesrätin Martha Stocker wies darauf hin, dass innerhalb der EU zwar eine einheitliche Gesetzesgrundlage bestehe, die einzelnen Staaten diese jedoch aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen anders anwenden und dies ein großes Problem darstelle. „Die Landesregierung hat das Thema Arbeitssicherheit 2015 als Prioritätsschwerpunkt festgelegt und ist gerade dabei einen Begehrensantrag für die Regierung in Rom auszuarbeiten, um bei diesem Thema einen Schritt weiter zu kommen.", sagte Stocker. Dass Südtirols Zuständigkeit in Sachen Arbeitssicherheit nur marginal sei, unterstrich auch der Abteilungsdirektor Helmuth Sinn. Arbeitsinspektor Sieghart Flader verwies darauf, dass die Inspektoren an das Gesetzbuch gebunden seien und demnach die Kontrollen ausführen müssen. Sofern es aber zu einer unsachgemäßen Verhaltensweise der Inspektoren komme, solle diese unmittelbar mitgeteilt werden. „Unsere Inspektoren haben die Anweisung erhalten, lebensrettende Maßnahmen zu kontrollieren und nicht jedes Lämpchen", so Flader. Kritisiert wurden von den anwesenden Handwerkern auch die Leiharbeitsfirmen aus Rumänien, die den lokalen Betrieben viel Arbeit und viele Arbeitsplätze wegnehmen. Diese Problematik soll nun vom Arbeitsinspektorat überprüft werden.
Eine ebenso wichtige Thematik, die im Rahmen des Treffens angesprochen wurde, war die zunehmende Jugendarbeitslosigkeit. „Angesichts der abnehmenden Lehrlingszahlen müssen wir unbedingt versuchen, dem dualen Ausbildungssystem mehr Anerkennung zu verschaffen. Schließlich ist es jenes Ausbildungsmodell, das unseren Jugendlichen Arbeitsplätze bietet und das die Unternehmen zu unverzichtbaren Ausbildern macht", betonte lvh-Vizepräsident Martin Haller. Die Aufforderung, trotz schwieriger wirtschaftlicher Situation und den hohen Auflagen bei der Lehrlingseinstellung forderte Sinn die Handwerker auf, auch weiterhin Lehrlinge auszubilden, damit die Nachfolge des wertvollen Handwerks gesichert bleibe. Auch Landesrätin Stocker unterstrich die Bedeutung der dualen Ausbildung, die ein wichtiger Stützpfeiler für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sei.
Abschließend folgten zahlreiche Wortmeldungen, die den Frust der Handwerker auf die äußerst strenge Gesetzgebung und deren konsequente Anwendung im Land zum Ausdruck brachten. Um besser auf die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Handwerker eingehen zu können, soll auch in Zukunft ein Austausch mit den zuständigen politischen Vertretern und Beamten statt finden.

 

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