Wirtschaftsbarometer: Verhaltene Stimmung im Dienstleistungssektor

Das Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt weiterhin eine verhaltene Stimmung im Südtiroler Dienstleistungssektor. Über ein Viertel der Unternehmen sind mit der Ertragslage im laufenden Jahr nicht zufrieden.

daumen 298Der Dienstleistungssektor ist eine wichtige Säule der Südtiroler Wirtschaft: Er umfasst Branchen wie Kredit- und Versicherungswesen, Medien und Kommunikation, Informatik, Immobilienverkauf- und Verwaltung sowie sämtliche personen- und unternehmensbezogenen Dienste. Die Unternehmen im Dienstleistungssektor haben die ungünstige Konjunktur der letzten Jahre deutlich gespürt. Die Stimmung ist kontinuierlich gesunken und erreichte 2013 einen Tiefpunkt, als nur 72 Prozent der Dienstleister ihre eigene Ertragslage positiv bewerteten. Heuer hat sich die Lage nur unwesentlich verbessert: Lediglich 73 Prozent der Unternehmen sind mit den erwarteten Erträgen im Jahr 2014 zufrieden. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der Dienstleistungssektor sehr vielfältig ist. Am besten ist die Stimmung in der Informatikbranche und bei den unternehmensorientierten Dienstleistungen, während in der Immobilienbranche ein niedrigeres Geschäftsvolumen erwartet wird. Im Kredit- und Versicherungswesen wird die Ertragslage von fast der Hälfte der Unternehmen als nicht zufriedenstellend eingestuft. Die Investitionen werden verhalten ausfallen und der Ausblick auf die Beschäftigungszahl ist stabil.
Handelskammerpräsident Michl Ebner betont die Wichtigkeit dieses Sektors: „Die Dienstleistungsbetriebe sind nicht nur beschäftigungs- und wertschöpfungsmäßig sehr relevant, sondern auch wichtige Partner für die Unternehmen aller Branchen. Durch einfachere Normen und eine schlankere Bürokratie sollen diese Betriebe in ihrer Arbeit unterstützt werden".

Methodische Anmerkung:

Im Rahmen des WIFO-Wirtschaftsbarometers umfasst der Dienstleistungssektor folgende Tätigkeiten: Verlag und Kommunikation, Informatik, Kredit und Versicherung, Immobilienverwaltung sowie personen- und unternehmensbezogene Dienste. Nicht eingeschlossen sind Handel, Gastgewerbe und Transportgewerbe.

Stellungnahmen:

Horst Fritz, lvh, Obmann der Gruppe Medien, Design und IT

„In unserem Dienstleistungssektor werden die Betriebe mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Preiskampf, Überkapazität, restriktives Bank- und Lieferantenverhalten gepaart mit Inkassoschwierigkeiten belasten auf der einen Seite, mangelnde Kooperationsbereitschaft der Unternehmen besteht auf der anderen Seite."

Walter Amort, hds-Präsident, und Christoph Rainer, Präsident der Dienstleister im hds

„Erfreulich ist, dass bei einigen Berufsgruppen eine positive Entwicklung erkennbar ist, auch wenn die Stimmung im Sektor allgemein noch verhalten ist. Der hds stellt seit 1993 den Südtirolweit größten Zusammenschluss an Firmen der unterschiedlichsten Dienstleistungsbranchen dar. Laufend kommen neue Berufsbilder und Berufsgruppen dazu, da der Sektor sehr dynamisch ist. Die knappen Bodenressourcen Südtirols und das sensible ökologische Gleichgewicht unserer alpinen Region erfordern eine Hinwendung unserer Wirtschaftspolitik zu hochwertigen und innovativen Dienstleistungen im Besonderen und grundsätzlich zur Dienstleistung ganz generell. Dazu ist es wesentlich, Südtirol als Standort für Dienstleistungsunternehmen spannend, effizient und interessant zu machen, da von hier aus Märkte in ganz Europa bedient und erarbeitet werden können. Notwendige Voraussetzungen dafür sind die Sprachenausbildung, entsprechende Infrastrukturen (speziell Breitband) und erreichbare Orte, aber auch internationale Anbindungen (Zug/Flug), eine Modernisierung der öffentlichen Verwaltung sowie eine gezielte Förderpolitik. Immerhin sind in Südtirol 22,5 Prozent aller Beschäftigten des Privatsektors in den privaten Dienstleistungen tätig, wobei der Sektor über 27 Prozent der Gesamtwertschöpfung erwirtschaftet."

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