Mitarbeitersuche: Wie Betriebe Fachkräfte finden
Der Wettbewerb um Fachkräfte hat sich verändert. Heute entscheiden sich Bewerberinnen und Bewerber bewusst für jene Betriebe, die Perspektiven bieten, Wertschätzung leben und ein starkes Miteinander pflegen.
Was macht Handwerksbetriebe heute zu attraktiven Arbeitgebern? Der lvh hat bei drei Mitgliedsbetrieben unterschiedlicher Größe und Branchen nachgefragt: beim Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärunternehmen Kraler GmbH, beim Gerüstbaubetrieb Zerbini Ponteggi und beim Friseursalon MH Style-Point. Die Antworten zeigen: Entscheidend sind nicht Unternehmensgröße oder Branche, sondern Unternehmenskultur, Entwicklungsmöglichkeiten und die Fähigkeit, Menschen für den eigenen Betrieb zu begeistern.
Gewinnen vor dem Suchen
Wer heute qualifizierte Mitarbeitende sucht, muss als Arbeitgeber sichtbar und glaubwürdig sein. Die klassische Stellenausschreibung allein reicht längst nicht mehr aus. Immer stärker rückt die Arbeitgebermarke in den Mittelpunkt. „Die Markenbildung ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Unternehmens. Sie ermöglicht es, potenzielle Fachkräfte gezielt anzusprechen und von der eigenen Marke zu überzeugen“, erklärt Harald Kraler. Das äußere Erscheinungsbild eines Unternehmens vermittle Werte, Unternehmenskultur und die Haltung gegenüber den Mitarbeitenden. Entscheidend sei letztlich, dass sich die Beschäftigten mit dem Unternehmen identifizieren können. Dabei zeigt sich: Eine starke Arbeitgebermarke ist nicht nur großen Unternehmen vorbehalten. Auch kleine Betriebe können mit klaren Werten und einer authentischen Unternehmenskultur punkten. „Wir überzeugen nicht über die Größe des Betriebs, sondern über die Qualität des Miteinanders“, sagt Maximilian Hochkofler vom Friseursalon MH Style-Point.
Mehr als nur ein Job
Die Erwartungen an einen Arbeitsplatz gehen heute weit über die Bezahlung hinaus. Bewerberinnen und Bewerber achten zunehmend auf Arbeitsklima, Entwicklungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Diese Entwicklung beobachtet auch Harald Kraler. „Die Wertschätzung der Mitarbeitenden, Flexibilität, ein effektives Stressmanagement und die Förderung der mentalen Gesundheit sind von entscheidender Bedeutung“, betont er. Gerade in handwerklichen Berufen mit hoher Verantwortung und engem Zeitplan würden Themen wie Familienfreundlichkeit, persönliche Freiräume und Weiterbildungsmöglichkeiten immer wichtiger. Auch bei Zerbini Ponteggi steht die langfristige Entwicklung der Mitarbeitenden im Mittelpunkt. Das Unternehmen setzt bewusst auf motivierte junge Menschen und begleitet sie auf ihrem beruflichen Weg. „Wer bei uns beginnt, weiß, dass ihn ein klarer Weg für die berufliche Weiterentwicklung erwartet“, erklärt Martina Zerbini. Das Unternehmen verstehe sich als echtes Team, in dem gegenseitige Unterstützung und Vertrauen eine zentrale Rolle spielen. „Wir bieten ein solides Handwerk und ein Umfeld, in dem die Menschen zählen.“
Haltung schlägt Zeugnis
Ein weiterer gemeinsamer Nenner der drei Betriebe: Fachwissen allein reicht nicht aus. Gesucht werden Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen, ins Team passen und bereit sind, sich weiterzuentwickeln. „In diesem Beruf kann man die Technik lernen, die richtige Mentalität aber nicht“, bringt es Martina Zerbini auf den Punkt. Für ihr Unternehmen zählen vor allem Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Auch Maximilian Hochkofler sieht die Unternehmenskultur als entscheidenden Erfolgsfaktor. „Ein respektvoller, ehrlicher Umgang und ein gutes Miteinander sind für mich die Grundlage, damit sich Mitarbeitende wohlfühlen und langfristig Teil des Teams bleiben.“ Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und die Freude an der täglichen Arbeit seien letztlich jene Faktoren, die Menschen an ein Unternehmen binden. „Ein starkes Team und gemeinsame Leidenschaft machen dabei den Unterschied.“
Eine Aufgabe für alle
Erfolgreiche Mitarbeitersuche beginnt im Betrieb – sie endet dort aber nicht. Damit Handwerksbetriebe auch künftig genügend Fachkräfte finden, braucht es passende Rahmenbedingungen. Dazu zählen leistbarer Wohnraum, eine gelebte Willkommenskultur und eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung des Handwerks. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die allgemeine Akzeptanz gegenüber dem Handwerk früh gefördert wird“, sagt Harald Kraler. Der lvh engagiert sich deshalb seit Jahren mit Schulbesuchen, Berufsorientierungsprojekten und weiteren Initiativen, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Die Gespräche mit den drei Betrieben zeigen: Erfolgreiche Mitarbeitersuche beginnt nicht mit einer Stellenanzeige, sondern mit einer Unternehmenskultur, in der Menschen gerne arbeiten, sich entwickeln und langfristig bleiben wollen. Ob großer Technikbetrieb, mittelständisches Bauunternehmen oder kleiner Friseursalon – wer Wertschätzung lebt und Perspektiven schafft, hat die besten Chancen, auch in Zukunft die richtigen Mitarbeitenden zu gewinnen.
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