Wo Ausbildung Zukunft formt
Berufliche Bildung entsteht nicht im Lehrplan allein. Sie entsteht dort, wo Schule und Handwerk einander zuhören. Genau hier setzt die Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Schule“ des lvh an.
Der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) sucht gezielt den Austausch mit Berufsbildungszentren und Landesberufsschulen in Südtirol – nicht als formellen Besuch, sondern als Arbeitsgespräch auf Augenhöhe.
Im Mittelpunkt steht eine einfache, aber entscheidende Frage: Wie gelingt es, junge Menschen bestmöglich auf eine berufliche Zukunft im Handwerk vorzubereiten – in einer Zeit des Fachkräftemangels, des gesellschaftlichen Wandels und steigender Anforderungen an Ausbildung und Betriebe?
Bildung braucht Partnerschaft
In den vergangenen Monaten war der lvh in mehreren Berufsbildungszentren und Landesberufsschulen zu Gast.
Die Gespräche zeigten deutlich, wie zentral der Schulterschluss zwischen Schule und Handwerksbetrieben für die Berufsausbildung ist. Überall wurde betont: Ausbildung funktioniert nur dann nachhaltig, wenn Theorie und Praxis nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten.
Isolde Moroder, Direktorin des Berufsbildungszentrums „Dipl. Ing. Luis Zuegg“ in Meran, brachte diesen Anspruch auf den Punkt: „Es geht heute nicht mehr allein um Fachwissen, sondern darum, Jugendlichen Stabilität, Zuversicht und Perspektiven zu vermitteln. Darin sind wir als Schule uns mit dem Verband einig. Wenn wir uns als Partner der praktischen Ausbildung in Südtirol verstehen und an dieser Zusammenarbeit feilen, dann werden wir dieser Aufgabe gerecht. Davon bin ich überzeugt“, so die Direktorin.
Treffpunkt Schule als Lernraum
Auch am Berufsbildungszentrum „Christian Josef Tschuggmall“ in Brixen stand der Gedanke der Begegnung im Zentrum. Direktor Martin Rederlechner ordnet „Treffpunkt Schule“ als konsequenten Baustein dieser Öffnung ein: „Berufliche Bildung muss reale Arbeitswelten sichtbar machen. Der regelmäßige Kontakt mit Betrieben, Personalverantwortlichen und Verbänden ist kein Zusatz, sondern Kernauftrag. „Treffpunkt Schule“ erweitere diesen Ansatz, indem er Orientierung schafft, Vielfalt aufzeigt und den Blick für mögliche Ausbildungswege schärft – für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Lehrpersonen.“
Duale Ausbildung als Auftrag
Besonders klar formulierte Lukas Josef Spitaler, Direktor der Landesberufsschule für Handwerk und Industrie Bozen, die Rolle des Handwerks: „Ohne engagierte Ausbildungsbetriebe könne berufliche Bildung ihre Wirkung nicht entfalten. Moderne Unterrichtskonzepte, zeitgemäße Ausstattung und praxisnahe Inhalte sind wichtig – entscheidend bleibt jedoch die Verantwortung der Betriebe, Ausbildung aktiv mitzugestalten. Der regelmäßige Austausch mit dem lvh ist deshalb kein formeller Akt, sondern Voraussetzung für Qualität.“
Schule und Wirtschaft als Brücke
Auch in Bruneck wurde diese Haltung geteilt. Edith Hochgruber, Direktorin des Berufsbildungszentrums Bruneck, beschreibt „Treffpunkt Schule“ als wertvolle Gelegenheit, den Dialog mit dem lvh zu vertiefen und gemeinsam Perspektiven für die Fachkräfte von morgen zu entwickeln. „Das Berufsbildungszentrum versteht sich bewusst als Brücke zwischen Schule und Wirtschaft – ein Selbstverständnis, das durch den persönlichen Austausch gestärkt werde“, unterstrich die Direktorin.
Herausforderungen ansprechen
Am Berufsbildungszentrum Schlanders wurde der Blick bewusst auf aktuelle Herausforderungen gelenkt. Direktorin Virginia Maria Tanzer hob hervor, wie wichtig ein offener Dialog über Themen wie Ausbildungsqualität, Lehrermangel, Prüfungskommissionen und demografische Entwicklungen sei. „Dass der lvh diese Fragen aktiv aufgreift und gemeinsam mit den Schulen an tragfähigen Lösungen arbeite, ist ein starkes Signal. Die Vereinbarung, den regelmäßigen Austausch fortzuführen, unterstreiche den gemeinsamen Anspruch, duale Ausbildung weiterzuentwickeln“, erklärte Tanzer.
Berufe sichtbar machen
Auch dort, wo die Berührungspunkte mit dem Handwerk traditionell geringer sind, erwies sich der Austausch als wertvoll. Edit Meraner, Direktorin der Landesberufsschule für Handel und Grafik „Johannes Gutenberg“ in Bozen, betont: „Projekte wie die WorldSkills oder Initiativen des lvh machen das Potenzial beruflicher Ausbildung sichtbar. Gespräche über Praktika, Berufsattraktivität und Ausbildungspflicht sind ein wichtiger Impuls – gerade in einem Umfeld, das sich zunehmend verändert.“
Ein Netzwerk mit Wirkung
„Treffpunkt Schule“ zeigt: Zukunftssicherung im Handwerk beginnt nicht erst im Betrieb, sondern im Dialog. Schule und Handwerk teilen dieselbe Verantwortung – für Qualität, Orientierung und Perspektiven. Der lvh versteht sich dabei als verbindendes Element zwischen Bildungseinrichtungen und Betrieben, als Übersetzer zwischen den Anforderungen der Praxis und dem pädagogischen Auftrag.
Auch lvh-Vizepräsident Hannes Mussak unterstreicht die strategische Bedeutung dieses Austauschs: „Wenn wir wollen, dass junge Menschen ihren Weg im Handwerk finden, müssen wir dort präsent sein, wo Orientierung entsteht. Treffpunkt Schule ist genau dieser Raum – ehrlich, direkt und auf Augenhöhe.“
Die Gespräche machen deutlich, wie viel Substanz in dieser Zusammenarbeit steckt – und wie groß das Potenzial ist, wenn sie konsequent weitergeführt wird. Denn wo Schule und Handwerk sich regelmäßig treffen, entsteht mehr als Austausch: Es entsteht Vertrauen. Und genau das ist die Grundlage für eine starke Berufsausbildung in Südtirol.
Keine Sorge: Kontaktieren Sie uns einfach.
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