lvh bei Kompatscher: Konstruktiver Austausch
Richtpreisverzeichnis und IRAP-Entlastung im Mittelpunkt des Treffens – lvh spricht sich für faire Rahmenbedingungen für kleine und familiengeführte Handwerksbetriebe
Bozen – Zu einem wichtigen Austausch über aktuelle wirtschaftspolitische Anliegen des Südtiroler Handwerks trafen sich kürzlich lvh-Präsident Martin Haller und lvh-Direktor Walter Pöhl mit Landeshauptmann Arno Kompatscher und Petra Mahlknecht, Generaldirektorin der Agentur für öffentliche Verträge - AOV. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen insbesondere die vom lvh angeregte Anpassung der Stundenlöhne im Richtpreisverzeichnis sowie die geplante Reduzierung der IRAP.
„Der direkte und sachliche Austausch mit der Landesregierung ist für uns von großer Bedeutung. Gerade in einer wirtschaftlich herausfordernden Zeit müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass unsere Betriebe wettbewerbsfähig bleiben und Investitionen sowie Beschäftigung sichern können“, betonte lvh-Präsident Martin Haller nach dem Treffen.
Richtpreisverzeichnis: Aktuelle Kosten müssen abgebildet werden
Ein zentrales Thema war die Aktualisierung der Stundenlöhne im Richtpreisverzeichnis (RPV). Aus Sicht des lvh führt dies zunehmend zu einer Diskrepanz zwischen den Richtpreisen und der betrieblichen Realität. Seit 2024 sind die im Richtpreisverzeichnis angeführten Stundenlöhne unverändert geblieben, obwohl insbesondere Lohnkosten und Lohnnebenkosten deutlich gestiegen sind. Diese Kostensteigerungen finden in den aktuellen Richtpreisen keine entsprechende Berücksichtigung.
„Wenn die Lohn- und Lohnnebenkosten steigen, die entsprechenden Richtpreise aber auf dem Stand von 2023 bleiben, entsteht eine Schieflage, die letztlich zu Wettbewerbsverzerrungen führen kann“, erklärte lvh-Direktor Walter Pöhl.
Der lvh ersuchte darum, die von ihm aufgezeigte Entwicklung der Lohnkosten bei der Aktualisierung des Richtpreisverzeichnisses angemessen zu berücksichtigen. Im Rahmen des Treffens wurde darauf hingewiesen, dass die Festlegung der Arbeitskosten im Richtpreisverzeichnis grundsätzlich an die Vorgaben des Vergabekodex (Gv.D. Nr. 36/2023) gebunden ist. Eine davon abweichenden Anpassung der Stundenlöhne muss daher auf einem rechtlichen Fundament erfolgen. Das Anliegen soll gemeinsam mit den zuständigen Stellen in Rom weiter vertieft und auf mögliche rechtlich tragfähige Lösungen geprüft werden.
IRAP-Reduzierung: Entlastung muss auch bei Kleinbetrieben ankommen
Ausführlich diskutiert wurde zudem die geplante Senkung des IRAP-Satzes von 3,9 auf 2,68 Prozent. Sie entspricht einer jährlichen Entlastung der Südtiroler Wirtschaft von rund 50 Millionen Euro. Auf das Handwerk entfallen nach Berechnungen des lvh insgesamt rund 9,5 Millionen Euro beziehungsweise durchschnittlich etwa 900 Euro pro Betrieb.
Grundsätzlich begrüßt der lvh die steuerliche Entlastung. Kritisch bewertet der Verband allerdings die vorgesehenen Kriterien für die Inanspruchnahme. Die IRAP-Reduzierung soll neben territorialen Zusatzverträgen und Betriebsabkommen auch an familienfreundliche Maßnahmen, soziale Zusatzleistungen und gesellschaftlich wünschenswertes Verhalten gekoppelt werden. Aus der angestrebten steuerlichen Entlastung dürfe keine neue bürokratische Belastung entstehen.
„Familienfreundlichkeit und soziale Verantwortung werden in vielen unserer Handwerksbetriebe seit jeher tagtäglich gelebt. Es wäre kontraproduktiv, gerade diese kleinen Betriebe durch zusätzliche Bürokratie von einer steuerlichen Entlastung auszuschließen“, unterstrich Haller. „Die IRAP-Senkung sollte möglichst breit bei den Unternehmen ankommen und gleichzeitig einfach und unbürokratisch ausgestaltet sein.“
Kompatscher: Anliegen gemeinsam auf ihre Umsetzbarkeit prüfen
Landeshauptmann Arno Kompatscher bezeichnete den regelmäßigen Dialog mit den Wirtschaftsverbänden als wichtigen Bestandteil einer praxisnahen Wirtschaftspolitik: „Entscheidend ist, dass wir die Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen auf unterschiedliche Betriebsgrößen im Blick behalten. Die vorgebrachten Anliegen werden wir gemeinsam mit den zuständigen Stellen prüfen und dabei sowohl die wirtschaftliche Wirkung als auch die konkrete Umsetzbarkeit berücksichtigen.“
Das Treffen verlief in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre. lvh-Präsident Haller und lvh-Direktor Pöhl unterstrichen abschließend die Bereitschaft des Verbandes, sich auch weiterhin mit konkreten Vorschlägen und Zahlen in die Ausgestaltung wirtschaftspolitischer Maßnahmen einzubringen.
„Unser gemeinsames Ziel muss es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Leistung und Unternehmertum fördern und gleichzeitig für die Betriebe praktikabel bleiben“, fasste Pöhl zusammen. „Der heutige Austausch war dafür ein wichtiges und positives Signal.
Im Bild: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens (von links): Philipp Grosslechner, Petra Mahlknecht, Arno Kompatscher, Martin Haller und Walter Pöhl – Foto: ©LPA
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