„Ein Beruf mit Hand, Herz und Verstand“

Bei der lvh-Bezirksversammlung im Unterpustertal wurde die Zukunft des Handwerks und vor allem jene des Nachwuchses in den Mittelpunkt gerückt. Landesrat Philipp Achammer und Landtagsabgeordneter Gert Lanz betonten dabei die Wichtigkeit der dualen Ausbildung sowie die gesellschaftliche Wertschätzung.

(von links): lvh-präsident Martin Haller, Landesrat Philipp Achammer, lvh-Vizepräsident Hannes Mussak, Betriebsinhaber Michael und Georg Gruber, Landtagsabgeordneter Gert Lanz und Bezirksobmann Josef SchwärzerFachkräftesicherung, Berufsausbildung und viele weitere aktuelle Themen standen im Mittelpunkt der Bezirksversammlung im Unterpustertal. Der lvh-Bezirksausschuss hat gemeinsam mit dem Betrieb „Gruber Tür Manufaktur“ zur jährlichen Versammlung eingeladen. Die Betriebsinhaber Michael und Georg Gruber freuten sich, die zahlreichen Gäste in ihrem Unternehmen zu begrüßen. Dabei stellte Michael Gruber, ebenso Obmann der lvh-Berufsgemeinschaft der Tischler, den Betrieb kurz vor, wobei er vor allem das Thema Lehrlinge vertiefte. Bezirksobmann Josef Schwärzer informierte über die Tätigkeiten des Bezirksausschusses. „Wir kommen Schritt für Schritt voran“, sagte Schwärzer und zählte dabei einige Fortschritte auf, welche die beiden Arbeitsgruppen des Bezirksausschusses erreicht haben: Um die Freude für praktische Berufe schon bei den Kleinsten zu wecken, sei es gelungen, mit der Kindergartendirektion im Bezirk ein positives Gesprächsklima in Gang zu bringen. Ziel sei es, in jeder Kindergartensektion eine Werkstatt einzurichten, wo gebastelt, gewerkelt und die Kreativität entdeckt werden könne. Ein weiterer Erfolg sei die nun beschlossene Einrichtung des sogenannten Talentcenters in Bozen, mit welchem man bei der Berufsberatung für alle Südtiroler Jugendlichen einen Qualitätssprung erwarte. Als dritten positiven Punkt hob Schwärzer die im kommenden Jahr geplante Veranstaltung „Erlebniswelt Baustelle“ im Bezirk Pustertal hervor.

Landesrat Philipp Achammer ging auf die Perspektiven für die Bereiche Arbeit, Bildung und Wirtschaft ein. „Das derzeit die wirtschaftspolitische Diskussion beherrschende Thema ist zweifellos die Fachkräftesicherung“, betonte Achammer. Das Thema Arbeit, neue Formen und Arbeitsmodelle sowie die fortschreitende Digitalisierung und Robotisierung werden immer mehr zu Brennpunkten von Politik und Gesellschaft. Dabei nicht zu vergessen ist die Veränderung von vielen Berufsbildern. Obwohl in Südtirol eine überdurchschnittlich hohe Beschäftigungsquote von 79 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung herrsche, zeigten sich ernsthafte Zeichen, dass in naher Zukunft 20.000 bis 60.000 Facharbeitskräfte landesweit fehlen werden. „In diesem Zusammenhang stellen wir aber fest, dass die gesellschaftliche Wertschätzung für die duale Ausbildung und das Erlernen von praktischen Berufen in jüngster Zeit angestiegen sind“, sagte Achammer.

Landtagsabgeordneter Gert Lanz zeigte sich überzeugt, dass die handwerkliche Berufsausbildung bei Eltern und Jugendlichen immer mehr Anerkennung finden werde. „Solche Prozessabläufe, die ein gesellschaftliches Umdenken erfordern, brauchen eben auch eine längere Zeit. Wir werden am Ball bleiben, um diesen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel weiter voranzutreiben“, gab sich Lanz zuversichtlich.

lvh-Präsident Martin Haller hielt ein Impulsreferat zum Thema Tradition schafft Zukunft: „Die Tischlerei Gruber ist ein tolles und gelungenes Beispiel, wie handwerkliche Tradition und Moderne zusammenfinden.“ Dieses Beispiel zeige, dass Aus- und Weiterbildung, Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben und die individuelle Wahl jedes Betriebes, die passende Betriebsgröße selbst zu bestimmen, genau die richtigen Erfolgsfaktoren im Handwerk seien.
Hannes Mussak, Präsident des Südtiroler Wirtschaftsringes und lvh-Vizepräsident, unterstrich die Bedeutung der 58.000 Südtiroler Betriebe, die durch ihre verschiedenen Berufskategorien und Verbände, im SWR-EA vertreten sind. „Sprechen wir positiv über unsere praktischen Berufe bei allen möglichen Gelegenheiten, heben wir die schönen Seiten unserer beruflichen Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten hervor! Das ist der beste Weg, um den Eltern und der Jugend zu zeigen, dass es sich lohnt, einen Beruf mit Hand, Herz und Verstand zu ergreifen“, so Mussak´s Aufruf.

Im Anschluss vertieften die Anwesenden verschiedene Themen wie die Jugendschutzbestimmungen in Italien und verschiedene Bürokratiehürden und deren Abbau in einer Diskussionsrunde.

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