ISK-Baufachtagung: Fachvortrag über Bauschäden

Im Rahmen der ISK-Baufachtagung, welche von 23. bis 25. Oktober 2019 erstmals in Südtirol stattfindet, dreht sich alles rund um das Thema Bauschäden. Unter den Vortragenden ist auch der Bozner Ingenieur und Gerichtsgutachter Hansjörg Letzner, der über Bauschadenrisiken und Versicherungsfälle in Südtirol und Italien referiert. In folgendem Interview gibt er einen Einblick über seine Erfahrungen als Bausachverständiger.

Ing. Hansjörg LetznerHerr Letzner, eine Internationale Sachverständigen Baufachtagung (ISK) widmet sich dem Thema der Schadensfälle am Bau und dessen Vermeidung. Ist die technische Ursache bei einem Bauschaden aus Ihrer Erfahrung ein Baumangel oder ein Planungsfehler?
Antwort: Man kann die Thematik nicht generalisieren, weil jeder Streitfall grundlegend verschieden ist, auch wenn die Materie ein und dieselbe scheinen kann. Die Probleme mit denen ein Gutachter am häufigsten konfrontiert wird, können selten auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden, da meistens bei Bauschäden mehrere Faktoren negativ mitspielen und, entsprechend, sei es Planungsfehler als auch Mängel in der Bauausführung mitwirken.

Was sind die häufigsten Bauschäden und warum kommt es überhaupt dazu?
Antwort: Es ist wiederum nicht möglich, Pauschalaussagen zu tätigen, da die Gerichte mit den verschiedensten Thematiken konfrontiert werden. Die Hauptthemen sind jedenfalls mangelhafte Bauausführung, Fehler in der Planung, verschiedene Auslegung von Verträgen und entsprechend verschiedene Abrechnungsbeträge. Über die Ursachen habe ich mich bereits geäußert, da es meistens ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren gibt, welche letztendlich zu einem Streit führen.

Wo gebaut wird, geht es um Kosten. Zu heißen Diskussionen kommt es immer wieder bei der Endabrechnung, sobald dem Kunden höhere Kosten für Planungs- und Bauleistungen vorgelegt werden als in der ursprünglichen Kostenschätzung veranschlagt wurde. Was sind hierfür die Gründe?
Antwort: Leider ist der häufigste Grund hier eine unvollständige Planung, bzw. eine unvollständige Kenntnis der Leistungen, welche notwendig sind, um einen Bau nach den Regeln der Kunst zu erstellen. Also ein Mangel an Qualität.
Sie haben zwar nicht nach den Ursachen gefragt, aber grundsätzlich kann man behaupten, dass viele Bauherren – selbst Öffentliche – nicht gewillt sind, in eine gute Planung zu investieren und als Folge „gedrückter“ Honorare sich mit einer geringeren Qualität der Leistung zufrieden geben müssen. Dies führt notgedrungen zu einer erhöhten Streitbereitschaft.

Was ist bei einem Bauschaden zu tun und wer ist wofür beim Schaden zuständig bzw. an wen muss man sich wenden?
Antwort: Grundsätzlich muss eine formelle Beanstandung der ausführenden Baufirma und allen am Bau beteiligten Technikern gesandt werden, mit der Aufforderung, innerhalb eines gewissen Zeitraumes die Schäden zu beheben. Wird dieser Aufforderung nicht Folge geleistet, bzw. schieben sich die Beteiligten gegenseitig den „schwarzen Peter“ zu, bleibt den Geschädigten nichts anderes übrig, als über den Weg einer fachkundlichen Ermittlung, eine gerichtlich belegte Erhebung des Zustandes zu erwirken, bevor man Instandsetzungsarbeiten beginnen kann. Umgeht man letzteren Weg, muss man in den meisten Fällen für die Spesen selbst aufkommen, da es bei einem eventuellen nachfolgenden Gerichtsstreit Aufgabe des Geschädigten ist, den Beweis für die schlechte Bauausführung zu liefern und Fotos bzw. Zeugenaussagen in dieser Hinsicht unzureichend aussagekräftig sind.

 

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