Kiens: „Es müssen noch viele konkrete Schritte folgen!"

Die Fachkräftesicherung, eine ländervergleichende Diplomarbeit über Arbeitssicherheit und das neue Vergabegesetz – das waren nur einige der zahlreichen Themen, die kürzlich bei der lvh-Jahreshauptversammlung in Kiens besprochen wurden. Dabei wurde auch über die wichtigsten Bauprojekte der Gemeinde informiert und versichert, bei der Vergabe der Arbeiten vor allem örtliche Betriebe zu berücksichtigen. Im Hinblick auf die kommenden Gemeinderatswahlen appellierte man an die Handwerker, sich der Wahl zu stellen, um die Anliegen des eigenen Wirtschaftssektors besser voranbringen zu können.

Weger-Ulrich---OO-KiensUlrich Weger, der lvh-Ortsobmann von Kiens, berichtete in seiner Ansprache von den Tätigkeiten der Ortsgruppe. „Wir denken daran, eine Handwerksschau auf Gemeindeebene zu organisieren, bei der sich die Betriebe von Kiens der Bevölkerung präsentieren können", kündigte er an. Als wichtigen Fixpunkt für das Jahr 2015 nannte er die Berufs-WM „Worldskills", die im August in Brasilien über die Bühne gehen wird und bei der sich auch junge Berufstalente aus Südtirol dem internationalen Wettbewerb stellen werden.

Gesetze in Italien am strengsten

lvh-Bezirksobmann Josef Schwärzer informierte über die Treffen der Pustertaler Wirtschaftstreibenden mit Landeshauptmann Kompatscher, den Landesräten und dem Landtagsabgeordneten Christian Tschurtschenthaler. „Es sind einige ermutigende Schritte der Landesregierung festzustellen, es müssten aber noch viele konkrete Schritte folgen", so Schwärzer. Im Bereich der Arbeitssicherheit zog Schwärzer einen Vergleich zwischen den derzeitigen Regelungen in Italien, Österreich und Bayern. Dabei nahm er Bezug auf eine Diplomarbeit des Institutes für italienisches Recht an der Universität Innsbruck. Darin kam klar zum Ausdruck, dass die Gesetze in Italien am strengsten und zum Teil auch sehr wirklichkeitsfremd sind. Großes Manko ist nach wie vor, dass es den Arbeitsinspektoren bei der Ausübung ihrer Tätigkeit gesetzlich nicht möglich ist, das Prinzip „Beraten statt strafen" anzuwenden. Die Arbeitssicherheitsausbildung ist in den nördlichen Nachbarländern, ganz im Gegensatz zu Italien, fester Bestandteil der Berufsausbildung. In Südtirol wird, auf verstärkten Druck der Wirtschaftsverbände hin, nun eine bessere Einbindung in den Unterricht erwartet. Abschließend betonte Schwärzer die Wichtigkeit der Tipworld-Messe in Bruneck, die heuer wieder vom 11.-14. April stattfindet. Schwärzer rief die Betriebe dazu auf, diese Möglichkeit im Pustertal selbst zu nutzen und nicht der auswärtigen Konkurrenz das Feld zu überlassen. „Nur wenn genügend Pusterer Betriebe ausstellen, wird der Nutzen dieser Messe auch im Pustertal bleiben", so Schwärzer.

Mehr Rechtssicherheit

Vizedirektor Walter Pöhl erläuterte einige Grundzüge des lvh-Masterplans 2014-2019: Zu den wichtigsten Themen gehören dabei die Fachkräftesicherung und Ausbildung unter besonderer Berücksichtigung der dualen Ausbildung sowie die Verabschiedung des neuen Vergabegesetzes für öffentliche Arbeiten. „Mit dem neuen Gesetz, das voraussichtlich in den nächsten Monaten in den Landtag kommt, besteht nun die Chance, der Aufteilung in Gewerke und Lose auch rechtlich den Vorzug zu geben und für die Verwalter mehr Rechtssicherheit zu schaffen", informierte er und wies darauf hin, dass der lvh-Kompetenzbereich Bau/Installation den Mitgliedsbetrieben bei allen Fragen rund um die öffentliche Auftragsvergabe mit Rat und Tat zur Seite stehe. Was die Jugendarbeitslosigkeit angehe, zeigen die Daten, dass in den Ländern mit bewährtem dualem Ausbildungssystem die Rate niedrig ist, während z.B. in Italien oder Spanien, wo man die duale Ausbildung bisher kaum oder gar nicht kennt, die Jugendarbeitslosigkeit inzwischen sogar 40-50% betrage. Pöhl rief die Handwerker auch dazu auf, sich für die Weltausstellung EXPO zu interessieren. „Der Verband organisiert eigene Informationsveranstaltungen für potenzielle Teilnehmer", gab er zur Kenntnis.

Neue Feuerwehrhalle und Umfahrung

Bürgermeister Reinhard Niederkofler berichtete, dass es stets die Bemühung seiner Gemeindeverwaltung war, die öffentlichen Arbeiten von ortsansässigen bzw. einheimischen Betrieben ausführen zu lassen. Mit der Feuerwehrhalle in Ehrenburg stehe nun ein größeres Projekt im Ausmaß von 1,3 Millionen Euro an. Mit den Bauarbeiten zur Umfahrung Kiens wird in den nächsten zwei bis drei Jahren begonnen. „Die Zusatzfinanzierung ist genehmigt, insgesamt stehen dafür etwa 70 Millionen Euro zur Verfügung", informierte der Bürgermeister. Niederkofler erklärte außerdem, dass er für die kommenden Gemeinderatswahlen aufgrund der Mandatsbeschränkung nicht mehr als Bürgermeister zur Verfügung stehen könne und rief die Handwerker dazu auf, zu kandidieren, um das Geschehen in der Gemeinde mitzubestimmen.

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