Geschäftsklima im Baugewerbe verhalten, aber steigend

Die Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt weiterhin ein verhaltenes Geschäftsklima im Südtiroler Baugewerbe. Gegenüber der letzten Konjunkturbefragung im Herbst, gab es aber eine deutliche Besserung. Für 2015 erwarten 65 Prozent der Unternehmen eine befriedigende Ertragslage.

ertragslage baugewerbe_2005_2015Zum Öffnen klicken...Das Baugewerbe gehört zu den Wirtschaftssektoren, die die Wirtschaftskrise am meisten gespürt haben. Die genehmigte Baukubatur ist zwischen 2010 und 2013 um ein Drittel gesunken und die provisorischen Daten für das erste Semester 2014 zeigen keine wesentliche Besserung. Auch die Beschäftigung entwickelte sich negativ. Im März 2015 waren etwa 14 Tausend Arbeitnehmer/innen in der Baubranche tätig, um 11 Prozent weniger als vor fünf Jahren. Dementsprechend verhalten ist das Geschäftsklima. Die Unternehmer/innen erwarten heuer noch keine Steigerung von Umsatz und Verkaufspreisen, unter anderem aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks. Auch der Zugang zum Kredit und die Zahlungsmoral der Kund/innen sind weiterhin ein Problem. Trotzdem zeigt sich eine spürbare Besserung der Stimmung im Vergleich zu den vorherigen Konjunkturerhebungen: Bei der letzten Befragung im Herbst erwarteten nur 55 Prozent der Unternehmen befriedigende Erträge für das Jahr 2015, inzwischen sind es 65 Prozent.

"Den vorhandenen Spielraum voll ausschöpfen"

Es bestehen weiterhin relevante Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen des Bausektors. Am besten ist das Geschäftsklima bei der Bauinstallation und Fertigstellung von Gebäuden (Zimmerer, Spengler, Elektriker, Hydrauliker, Fliesenleger usw.), wo über zwei Drittel der Unternehmen eine positive Ertragslage erwarten. Die Stimmung in den Bereichen Hoch- und Tiefbau ist hingegen verhaltener. Handelskammerpräsident Michl Ebner ist zuversichtlich: „Das laufende Jahr lässt einen Wirtschaftsaufschwung erwarten, von dem langfristig auch die Bauwirtschaft profitieren sollte. Deshalb sollte der größtmögliche Teil der öffentlichen Investitionen im Südtiroler Wirtschaftskreislauf bleiben. Das neue Landesgesetz zum Vergabewesen muss deswegen den vorhandenen Spielraum voll ausschöpfen."

Stellungnahmen:

Markus Bernard, Obmann der Gruppe Bau im lvh:

Bernard-Markus BaugewerbeMarkus Bernard„Bauen muss für die Bauherren wieder einfacher werden. Aufgrund des immensen bürokratischen Aufwands und der Rechtsunsicherheit schrecken die Bürger/innen vor Bauvorhaben zurück. Wir ersticken unter der großen Last an unsinnigen gesetzlichen und bürokratischen Auflagen. Umso mehr benötigen wir politische Vertreter/innen, die Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, und Beamt/innen, die dazu stehen und sie umsetzen."

Thomas Ausserhofer, Präsident des Kollegiums der Bauunternehmer

„Die wirtschaftliche Talsohle der Bauwirtschaft ist erreicht und teilweise schon durchschritten. Die große Anzahl der anbietenden Bauunternehmen machen die Ertragslage nicht besser. Mit dem neuen Landesvergabegesetz erwarten wir uns vor allem Bürokratieabbau und noch mehr Anwendung der Qualitätsausschreibungen. Bessere Qualität am Bau bringt vor allem dem Bauherrn und dem Nutzer der Bauwerke einen Vorteil."

Emilio Corea, Präsident der SHV-Bauvereinigung

„Wir sind aufgrund der leichten Besserung zufrieden. Dies betrifft aber derzeit nicht die wichtigsten Südtiroler Zentren. Dort stagniert der Bausektor vor allem aufgrund der Verspätungen bei Programmen und Finanzierung für Renovierungen und Sanierungsarbeiten von öffentlichen und privaten Gebäuden."

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