„Incontriamoci a scuola“: Wenn Schule und Handwerk einander näherkommen
Kürzlich trafen sich Vertreterinnen und Vertreter des Wirtschaftsverbands Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) mit Direktor Franco Ramaroli und dem Team der Landesberufsschule „Luigi Einaudi“.
Der Titel des Treffens hätte einfacher kaum sein können: „Incontriamoci a scuola“ – treffen wir uns in der Schule. Doch dahinter steckt mehr als ein Höflichkeitsbesuch. Es ging um die Frage, wie Schule und Arbeitswelt enger zusammenrücken können. Wie Jugendliche früher erreicht werden. Wie Berufsbildung sichtbarer wird. Und wie Handwerk in Zeiten des Fachkräftemangels als das erzählt werden kann, was es ist: ein Zukunftsversprechen.
Warum Werkstätten heute Zukunftsräume sind
Rund 350 Schülerinnen und Schüler besuchen die Vollzeitkurse der Einaudi, rund 230 Jugendliche absolvieren eine Lehre – mit steigender Tendenz. Dazu kommen mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der beruflichen Weiterbildung. Mit Werkstätten, Laboren, modernen Unterrichtsräumen und einem breiten Ausbildungsangebot ist die Einaudi weit mehr als eine Schule: Sie ist ein zentraler Ort der Berufsbildung in Südtirol.
Direktor der LBS Franco Ramaroli unterstrich: „Berufsbildung lebt von Nähe – zur Praxis, zu den Betrieben und zu den Jugendlichen. Wenn Schule und Handwerk gemeinsam auftreten, öffnen wir jungen Menschen neue Wege und zeigen ihnen, welche Chancen in einer beruflichen Ausbildung stecken.“
Genau dort setzt der lvh an. Vizepräsident Hannes Mussak betonte, wie wichtig dem Verband die Zusammenarbeit zwischen Schule und Arbeitswelt sei. Ziel sei es, einen konkreten Beitrag zu leisten – gemeinsam mit jenen, die Berufsbildung täglich gestalten. Auch lvh-Direktor Walter Pöhl betonte: „Es braucht einen stärkeren Austausch, gemeinsame Ideen und neue Synergien. Die Investition in die Berufsbildung ist eine Investition in die Zukunft.“
Wer Jugendliche gewinnen will, muss früher anfangen
Denn die Berufswahl beginnt selten erst mit 15. Herbert Kasal, Obmann der Elektrotechniker/innen im lvh.apa, brachte es auf den Punkt: Wer junge Menschen für Handwerksberufe begeistern will, muss sie früh begleiten – durch Sensibilisierung, Begegnungen und konkrete Erlebnisse. Schulbesuche, Betriebsbesichtigungen, KidsAcademy, Tage der offenen Tür und Berufswettbewerbe spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie zeigen, was im Handwerk steckt: Können, Selbstvertrauen, Präzision – und echte Perspektiven.
80 Prozent Betrieb, 20 Prozent Schule – und viel Zukunft
Eine besondere Rolle spielt das duale System: 80 Prozent Handwerksbetrieb, 20 Prozent Schule. Es verbindet praktisches Lernen im Unternehmen mit strukturierter Ausbildung im Unterricht. Für das kommende Ausbildungsjahr plant die Einaudi ein neues Organisationsmodell, um die bisherigen jahrgangsübergreifenden Klassen weiterzuentwickeln. Ziel sind klarere Lernwege, bessere Bedingungen und mehr Raum auch für seltene Berufsbilder – also für jene Nischen, in denen das Südtiroler Handwerk oft besonders stark ist.
Warum viele Talente noch gar nicht wissen, was möglich ist
Offen gesprochen wurde auch über Herausforderungen. In italienischsprachigen Mittelschulen sei die handwerkliche Ausbildung noch zu wenig bekannt, die Orientierung müsse verbessert werden. Diskutiert wurden unter anderem ein Handwerkstag an Mittelschulen nach bayerischem Vorbild und die Möglichkeit, bestehende Bildungsrahmen im italienischen Schulsystem weiter auszubauen – mit Unterstützung des lvh.apa.
Nach der Lehre ist noch lange nicht Schluss
Auch die Meisterausbildung war Thema. In italienischer Sprache gibt es derzeit nur wenige Angebote, die Teilnehmerzahlen sind niedrig. Hier braucht es mehr Sensibilisierung, neue Formate und möglicherweise bilinguale Kurse. Denn Zukunft im Handwerk bedeutet nicht nur Einstieg, sondern auch Entwicklung, Spezialisierung und unternehmerische Perspektiven.
Das Treffen zwischen lvh.apa und der Landesberufsschule „Luigi Einaudi“ war ein Schritt in die richtige Richtung: näher zusammenrücken, früher hinschauen, gemeinsam Türen öffnen.
Im Bild (v.l.): Hannes Mussak (lvh-Vizepräsident), Tanja Enderle (lvh-Mitarbeiterin Berufsbildung), Zoia Reiterer (lvh-Koordinatorin Kompetenzbereich Berufe), Sandro Vettori (Dozent), Herbert Kasal (lvh-Obmann der Elektrotechniker/innen), Gianluca Bortolaso (Dozent), Fabiana Guerra (Dozentin), Carmen Rombolà (Dozentin), Micaela Vergine (Dozentin), Stefano Siniscalchi (Erster Mitarbeiter), Franco Ramaroli (Direktor LBS Einaudi), Walter Pöhl (lvh-Direktor), Cesarino Ostelli (Dozent) und Andreas Mair (lvh-Büroleiter Unternehmensentwicklung) - Foto © lvh.apa
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