Erstmalige Zusammenarbeit zwischen Hafnern und Studenten

Vor kurzem haben Hafner-Handwerksmeister aus Österreich, Südtirol, Deutschland und der Schweiz ihre Zertifikate für einen erfolgreich absolvierten Universitätskurs erhalten. „Wir sind sehr stolz, dass es uns gelungen ist, erstmals eine internationale Zusammenarbeit auf die Beine zu stellen", erklärt Stefan Theil, Obmann der Hafner im lvh.

hafner studenten_1200Bereits im Jahr 2010 war die Idee geboren, eine Kooperation zwischen Handwerk und Universität herzustellen. „Die Gründe, die uns dazu bewegt haben, eine solche Initiative ins Leben zu rufen warder steigende Bedarf an fachmännisch restaurierten Kachelöfen, die fehlende kontinuierliche Weiterbildung von Handwerksmeistern auf diesem Gebiet auf wissenschaftlicher Basis sowie die ergänzende Praxis in handwerklicher Arbeitsweise, die Studierenden fehlte", erzählt der Obmann der Hafner im lvh Stefan Theil. Die internationale Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Wissenschaft wurde auch auf Museen, Denkmalämter und Depots ausgedehnt. Nach mehreren Treffen von Innungsmeistern aus Nordtirol, Südtirol, Vorarlberg mit Vertretern von Museen aus ganz Österreich, mit Denkmalämtern in Nord- und Südtirol, mit Vertretern der Universität fiel die Entscheidung einen Universitätskurs für Restaurieren einzurichten. „Es bildete sich eine Projektgruppe bestehend aus Harald Stadler, Leiter des Instituts für Archäologien an der Universität Innsbruck, Erich Moser, Landesinnungsmeister der Hafner und Keramiker in Tirol, der Archäologin Sarah Leib und der Germanistin Claudia Egg. In nur zwei Jahren wurde der Universitätskurs Restaurieren historischer Kachelöfen auf die Beine gestellt", so Theil. 17 Teilnehmer, darunter Hafner- und Keramikmeister sowie Studenten bzw. Absolventen der Fächer Archäologie, Kunstgeschichte und Volkskunde vertieften in sechs dreitägigen Modulen ihr Wissen. Am 9. September 2014 haben die Kursteilnehmer ihr Zertifikat erhalten. „Der Kurs vor allem aber die Zusammenarbeit zwischen Theoretikern und Praktikern war sehr aufschlussreich und nutzbringend für alle Beteiligten. Ich hoffe, dass aufbauend auf diese Erfahrung noch weitere Projekte folgen können", so Theil.

Aufbau des Lehrgangs

kachelofenModul 1: Einfürhung in die Kachelofenforschung

Das erste Modul begann mit einer Einführung in die Kachelofenforschung, in der Ursprung, Entwicklung, Formen von Kachelöfen und Ofenkacheln behandelt wurden. Eine Exkursion führte nach Hall zu historischen Kachelöfen in der Altstadt, wo Sophie Hüglin, eine Expertin auf dem Gebiet der Motivforschung auf Kacheln von der Archäologischen Bodenforschung Basel einen Gastvortrag hielt.

Modul 2: Dokumentation und Inventariasition

Eine Exkursion führte nach Brixen ins Diözesanmuseum und in die Deutschordenskommende Lengmoosam Ritten in Südtirol. Die dort besichtigten Öfen dienten als Grundlage für die erste zu schreibende wissenschaftliche Arbeit. In einem Gastvortrag sprach Harald Rosmanitz von der Universität Würzburgüber südwestdeutsche Ofenkeramik im Spannungsfeld von Designern, Hafnern und Verbrauchern.

Modul 3: Materialkunde, Materialtechnologie und Restaurierungsmethoden im Vergleich

Die Exkursion führte ins Ötztal, wo die Teilnehmenden selbständig einen bäuerlichen Ofen aufnehmen und anschließend eine schriftliche Arbeit verfassen mussten. Den Gastvortrag hielt Harald Rhomberg, Stadtarchiv Dornbirn, zur Geschichte des Hafnerhandwerks in Vorarlberg.

Modul 4: Restaurieren in der Praxis

sah Wien als Schauplatz vor. Restaurieren in der Praxis wurde in der Restaurierwerkstätte des MAK (Museum für Angewandte Kunst) geübt. Parallel dazu erfolgten die nötigen materialkundlichen Grundlagen(z. B. mineralogisch, chemisch,..). Eine Exkursion führte die Teilnehmenden ins Schloss Schönbrunn, wo sie bei einer exklusiven Führung die historischen Kachelöfen des Schlosses besichtigen konnten. Alice Kaltenberger, Expertin für Kachelforschung/Keramikforschung Wien, berichtete in einem Gastvortrag über Kacheln und Kachelöfen im Osten Österreichs.

Modul 5: Denkmalrecht und Denkmalpflege

Näher erläutert wurden dabei Denkmalschutzgesetze in Nord- und Südtirol, Rechtsgrundlagen in der Wissenschaft sowie der Umgang mit historischer Bausubstanz. Die Exkursion führte ins Tiroler Oberland und nach Altfinstermünz. Den Gastvortrag hielt Hans-Georg Stephan, Universität Halle, über Sachkultur zwischen Spätgotik und Renaissance.

Modul 6: Kachellandschaften im Mittelalter und in der Neuzeit

Den Abschluss des Universitätskurses bildeten Überblicke über die Kachellandschaften im Mittelalter und in der Neuzeit. Daran schlossen sich Kurzpräsentationen der Abschlussarbeiten der Teilnehmenden. Die Exkursion führte nach Salzburg und beschäftigte sich mit den historischen Kachelöfen auf der Feste Hohensalzburg. Für den Gastvortrag war Hans Werner Peine vorgesehen.

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