Mühlwald: „Geradezu unmöglich, gesetzeskonform zu arbeiten!"

Zahlreiche Projekte und Arbeiten stehen 2015 in der Gemeinde Mühlwald an. Das erfuhren die Handwerker des Dorfes vor Kurzem bei der lvh-Ortsversammlung, bei der auch aktuelle wirtschaftliche Themen wie Ausschreibungen, neues Vergabegesetz und Förderpolitik an der Tagesordnung standen. Außerdem hörten die Anwesenden einen Fachvortrag über neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen für Kleinbetriebe und wurden über die Neuerungen im Arbeits- und Steuerrecht aufgeklärt.

muehlwald ov_800„Die 25 Betriebe in den unterschiedlichsten Handwerkssparten bilden für das Gemeinwesen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Gemeinde eine starke Stütze", betonte Ortsobmann Joachim Steiner. Mit Zuversicht blicke man auf das angekündigte neue Vergabegesetz, das die Aufteilung in Lose und Gewerke auf eine klare rechtliche Grundlage stellen soll. „Damit könnte bei den nächsten Ausschreibungen wieder ein besserer Zugang zu öffentlichen Arbeiten für unsere kleinen Betriebe gesichert sein. Im Gegenzug müssen wir Handwerker aber die Voraussetzungen erfüllen, dass uns Aufträge von der Gemeinde übergeben werden können", mahnte Steiner und nannte dabei beispielsweise die Eintragung in das Landesportal. Für die anstehenden Gemeinderatswahlen hoffe er, dass die Handwerkskandidaten zahlreich in die Gremien gewählt werden, damit das Handwerk in der Gemeindepolitik mitentscheiden könne.
Bezirksobmann Josef Schwärzer sprach bei der Versammlung die Treffen der Pustertaler Wirtschaftstreibenden mit den Vertretern der Politik an und informierte, dass einige positive Maßnahmen getroffen worden seien, es aber noch viele weitere konkrete Schritte brauche. Als negativ bewertete er die geplante Neuausrichtung der Förderungspolitik, die den gleichberechtigten Zugang zu Fördermitteln sehr erschweren würde. Er bedauerte auch, dass es rund um den Berufsschulstandort Bruneck weiterhin Unsicherheit gebe.

Handwerk sichert Arbeitsplätze

"Das kleinstrukturierte Handwerk sichert in Mühlwald viele Arbeitsplätze", unterstrich Bürgermeister Paul Niederbrunner. Was die öffentlichen Ausschreibungen angehe, so der Bürgermeister, hoffe auch er auf eine Klärung durch das neue Vergabegesetz. „Im Durcheinander der angehäuften Bestimmungen in Brüssel, Rom und Bozen ist es geradezu unmöglich, gesetzeskonform zu arbeiten", so Niederbrunner. „Das ist nicht nur für die Betriebe ein Nachteil, sondern auch für die Gemeindeverwaltungen." Zu den wichtigsten anstehenden Arbeiten und Projekten im Gemeindegebiet gehören 2015 die Breitbandanbindung und der Grundankauf für einen Parkplatz in Lappach, die Fertigstellung des Sportplatzes und die Realisierung von sechs Einheiten in der Wohnbauzone. Außerdem sollen die Trinkwasserleitungen saniert und die Ufergestaltung des Stausees sowie die Neugestaltung des Bauhofes in Angriff genommen werden.

Plattform für neue Geschäftsideen vorgestellt

Birgit Hafner von der lvh-Innvoationsabteilung referierte über neue Ideen, neue Produkte und neue Märkte für kleine Handwerksbetriebe. „Eine Möglichkeit, um auf dem Markt zu punkten, ist die Einbeziehung möglichst vieler interessierter Kunden in den Produktentwicklungsprozess", so Hafner. „Dies könne zum Beispiel durch die lvh-Innovationsplattform „Open Innovation Südtirol" erfolgen", informierte sie und lud die Handwerker ein, die kostenlose Plattform zu besuchen.

Viele Neuerungen im Arbeits- und Steuerrecht

Peter Tratter vom lvh-Bezirksbüro informierte über die vielfältigen Neuerungen im Steuer-und Arbeitsrecht. Positiv sei, dass Schritte zur Steuererleichterung gesetzt worden sind etwa beim IRPEF-Zuschlag, GIS und IRAP. Auch die Verlängerung der Steuerabschreibemöglichkeiten bei außerordentlichen Instandhaltungsarbeiten und energetischen Gebäudesanierungen sei positiv. „Belastend ist allerdings die höhere Besteuerung von Ersparnissen, Erträgen von Rentenzusatzfonds und Abfertigung sowie der erhöhte bürokratische Aufwand bei der nun ausgedehnten Umkehrung von Steuerschuldnerschaft, sprich Reverse Charge, und Einführung der elektronischen Rechnungslegung gegenüber den öffentlichen Verwaltungen" fasste Tratter zusammen.

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