Die Branche, die Südtirol am Laufen hält
Wenn in Südtirol morgens die ersten Geschäfte öffnen, wenn auf Baustellen Material ankommt oder Supermarktregale gefüllt werden, dann hat meistens jemand die Nacht auf der Straße verbracht. Transporteurinnen und Transporteure halten den Alltag am Laufen. Und doch spricht kaum jemand über sie – außer dann, wenn der Verkehr stillsteht.
Genau darum ging es bei der Klausurtagung des Berufsbeirats der Transporteurinnen und Transporteure im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa). Nicht in Form großer Schlagworte, sondern sehr konkret: über Staus, Fahrverbote, fehlende Parkplätze, Grenzkontrollen, Baustellenmanagement und die Frage, wie ein Sektor sichtbar bleibt, ohne den vieles nicht funktionieren würde.
Wenn der Stau zum Dauerzustand wird
Im Haus des Handwerks in Bozen trafen sich die Vertreterinnen und Vertreter des Berufsbeirats rund um Obmann Alexander Öhler, um strategische Schwerpunkte für die kommenden Jahre festzulegen. Schnell wurde klar: Die Herausforderungen wachsen – organisatorisch, politisch und gesellschaftlich.
Ein zentrales Thema war die Infrastruktur. Die Betriebe kritisieren vor allem die mangelnde Kommunikation rund um Baustellen und Verkehrsmaßnahmen. Informationen kämen oft zu spät oder zu ungenau bei den Unternehmen an. Gerade im Transportwesen aber entscheiden Stunden über funktionierende Abläufe. Deshalb fordert der Berufsbeirat eine engere Zusammenarbeit zwischen Verkehrsmeldezentrale, Politik und Unternehmen.
Der Brenner ist längst mehr als nur eine Straße
Auch die großen politischen Baustellen standen im Mittelpunkt: der Brennerkorridor, die Situation rund um Kufstein, Nachtfahrverbote oder die Zukunft des Güterverkehrs auf der Schiene. Geplant sind dazu Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern in Südtirol, Tirol und Trient.
Diskutiert wurde außerdem über Verkehrsströme in den Städten, Abladeplätze, Sicherheitsfragen und intelligente Parkplatzlösungen. Gerade in urbanen Räumen werde Logistik zunehmend zur Herausforderung – und gleichzeitig unverzichtbar.
Unsichtbar – bis plötzlich nichts mehr ankommt
Doch die Klausur drehte sich nicht nur um Verkehrspolitik. Sie zeigte auch, dass der Sektor an seinem eigenen Bild arbeiten will. Viele Transporteurinnen und Transporteure erleben, dass ihre Arbeit oft nur dann wahrgenommen wird, wenn irgendwo ein Lkw im Stau steht. Die zentrale Rolle der Branche für Versorgung, Wirtschaft und Alltag bleibt dagegen meist unsichtbar. Genau das soll sich ändern.
Besprochen wurden Imagekampagnen mit klaren Botschaften wie „Wir transportieren für euch“, Social-Media-Videos, Kooperationen mit Schulen und kurze Filmformate, die zeigen sollen, wie vielfältig und anspruchsvoll der Beruf tatsächlich ist. Auch mögliche Partnerschaften mit Lebensmittelherstellern wurden angesprochen – um sichtbar zu machen, welchen Weg Produkte zurücklegen, bevor sie im Regal landen.
Warum der Beruf Zukunft braucht – und Jugendliche auch
Besonders wichtig ist dem Berufsbeirat die Jugend. Gemeinsam mit Schulen und Initiativen wie „Abenteuer Handwerk“ sollen junge Menschen früher mit dem Berufsbild in Kontakt kommen. Vorgeschlagen wurden Informationsflächen an Schulen, Filme über den Berufsalltag und neue Formate für die Berufsorientierung.
Daneben rückten auch Themen wie Fachkräftemangel, Weiterbildung und Digitalisierung in den Fokus. Diskutiert wurde unter anderem über Führungs- und Motivationskurse, Berufsbefähigungen sowie den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Transportsektor.
Wer liefert eigentlich die Zukunft?
Am Ende der Klausur stand keine schnelle Lösung. Aber ein klares Signal: Die Transporteurinnen und Transporteure wollen nicht länger nur reagieren. Sie wollen mitgestalten – bei Mobilität, Infrastruktur und der Frage, wie Wirtschaft in Zukunft funktioniert. Denn wer täglich Waren bewegt, bewegt am Ende weit mehr als nur Güter.
Im Bild: Alexander Öhler, Kurt Mair, Oskar Kofler, Gottfried Steiner und Gabriele Gasser – Foto © lvh.apa
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