"Einzigartig anders"

Das Handwerk soll sich nicht klein machen lassen, empfiehlt der HWK-Präsident für München und Oberbayern, Franz Xaver Peteranderl.Franz Xaver Peteranderl 1200

Wieso ist es so schwierig, die Interessen der kleinen Betriebe in der Politik zu vertreten, obwohl diese einen Großteil der Betriebe insgesamt ausmachen?

Das deutsche Handwerk zählt gut eine Million Betriebe mit etwa 5,4 Millionen Beschäftigten. Das macht im Schnitt fünf Beschäftigte pro Betrieb. Da wird man schnell mal übersehen. Umso wichtiger ist es, dass das Handwerk sich mit starker Stimme zu Wort meldet: Wir sind – wie es in unserer Imagekampagne so sympathisch heißt – die Wirtschaftsmacht von nebenan. Nur so können wir verhindern, dass politische Entscheidungsfindungen vornehmlich auf die Belange der Industrie abgestimmt werden und die Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen zu wenig bedacht werden.

Wie kann diese Interessensvertretung Ihrer persönlichen Erfahrung nach am besten funktionieren?

Um Interessen zu vertreten, muss man dorthin gehen, wo diese entstehen und berührt werden: In den Betrieben! Nur wenn wir wissen, wie sich die Entscheidungen der Politik unmittelbar auswirken, können wir in der politischen Interessenvertretung den Finger in die Wunde legen und Verbesserungen für das Handwerk erkämpfen.

Warum braucht es differenzierte Sichtweisen von Politik und Verwaltung gegenüber dem Handwerk?

Weil die Bedürfnisse des Handwerks häufig andere sind, als in der Großindustrie. Das deutsche Steuersystem ist ein gutes Beispiel: Ein Großteil der Handwerksunternehmen unterliegt der Einkommensteuer, da viele Betriebe als Einzelunternehmen geführt werden. Änderungen bei der Besteuerung von Unternehmen betreffen daher nur wenige Handwerker.

Kann sich das Handwerk behaupten, wenn es einen gemeinsamen Ansprechpartner mit der Industrie hat?

Das Handwerk ist gut beraten, sich nicht unnötig klein zu machen. Wir müssen die Einzigartigkeit und das wirtschaftliche und gesellschaftliche Gewicht unserer Betriebe besonders herausheben. Dann kann sich das Handwerk durchaus behaupten. Und manchmal macht es durchaus Sinn, gemeinsam mit der Industrie für eine Sache zu kämpfen.

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