Gute Systeme nicht ändern, sondern ausbauen!

Es ist das erste Mal, dass Südtirol und Bayern gemeinsame Forderungen an die EU-Kommission stellen. An der Spitze der Themen einer heute stattgefundenen Tagung standen die Berufsqualifikationen, die europaweite Imagestärkung der praktischen Berufe sowie Rahmenbedingungen, die die produktive Wirtschaft fördern.

Tagung Bayern_EU_1000Klar und eindeutig waren die Ziele, die die Spitzenvertreter des deutschen und Südtiroler Handwerks heute in Anwesenheit der KMU-Beauftragten der EU-Kommission Joanna Drake aussprachen. „Südtirol erlebt momentan eine intensive Zeit der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa herrscht eine Regulierungswut, die uns von unserem wahren Können abhält. Die individuellen Qualitäten der einzelnen Kulturen und Regionen müssen gestärkt und nicht durch neue Systeme, Modelle und Gesetze ersetzt werden", betonte lvh-Präsident Gert Lanz. Hierzu zählen sowohl in Südtirol als auch in Deutschland vor allem das duale Ausbildungssystem und der Meisterbrief. „Wie kann es dann aber sein, dass die EU auf der einen Seite das erfolgreiche duale Modell als Best Practice Beispiel lobt, auf der anderen Seite aber den Meisterbrief als Berufszugangsvoraussetzung nicht anerkennt", fragte Heinrich Traublinger, ehemaliger Präsident des Bayrischen Handwerkstages. Derselbe Vorwurf kam auch von Angelika Niebler, Abgeordnete zum Europäischen Parlament: „Wir kämpfen bereits viele Jahre darum, doch bis heute ist die hohe Qualifikation des Meisters noch nicht in der EU-Kommission angekommen!" Joanna Drake untermauerte, dass die duale Ausbildung in der EU-Kommission auf jeden Fall ein Erfolgsmodell darstelle, das jedoch nicht eins zu eins in andere Länder übernommen werden könne. „Mehrere europäische Länder versuchen bereits einzelne Elemente des dualen Systems zu kopieren, jedes Land hat aber andere Voraussetzungen und eine andere Kultur. Insofern müssen jeweils gut funktionierende Komponenten herausgepickt werden", so Drake. Bezüglich Meisterbrief schlug sie hingegen eine Überprüfung der bestehenden Qualifikation vor, um diesen noch wettbewerbsfähiger zu gestalten. Insgesamt müsse verstärkt die Attraktivität der Berufe im Handwerk vermittelt werden, ähnlich wie dies zur Zeit über die Imagekampagne des deutschen Handwerks geschehe.
Zumal das Handwerk in ganz Europa einen bedeutenden Wirtschaftspfeiler darstellt und sich die EU eine Rückkehr zur produktiven Wirtschaft zum Ziel gesetzt hat, gelte es nun auch entsprechende Rahmenbedingungen zu formulieren. „Regulierungen müssen sinnvoll und nachhaltig sein und dürfen die Wirtschaft auf keinen Fall Unsicherheit oder Zweifel bescheren", unterstrich auch der Südtiroler EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann. Hier sei allerdings unbedingt ein Dialog mit der Wirtschaft sprich mit dem Handwerk notwendig. „Dies ist kein aggressiver Aufschrei, sondern lediglich die Notwendigkeit, mitzugestalten", so Lanz.

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