Kongress Steuern und Arbeit: „So kann man nichts erreichen!"

Arbeitsinspektionen, Steuern, Jobs act, Lehrverträge, Artikel 18 - Veränderungen in der italienischen Gesetzgebung, im Steuersystem und im Arbeitsmarkt wären dringend notwendig. Doch wie könnten diese Veränderungen gestaltet werden? Welche neuen Bestimmungen wurden bereits umgesetzt und was bringen sie? Konkrete Antworten darauf gaben heute kompetente Fachexperten beim diesjährigen lvh-Kongress im Haus des Handwerks in Bozen.

haller martin 200 300„Für einen Kurswechsel in der Südtiroler Wirtschaft müssen die Lösungsansätze auf staatlicher Ebene initiiert werden", unterstreicht Martin Haller, lvh-Vizepräsident. Wie neue Ansätze und Möglichkeiten auf Steuerebene aussehen könnten, darüber gab Andrea Trevisani vom Confartigianato Aufschluss. „Die Steuerprozesse in Italien sind unausgewogen. Während Privatpersonen Investitionen oftmals von den Steuern absetzen können, bleibt den Kleinst- und Kleinbetrieben, die das Rückgrat der italienischen Wirtschaft bilden, diese Möglichkeit bis jetzt verwehrt." Das System müsse unbedingt ausgeweitet werden, um den Steuerdruck auf die Betriebe zu erleichtern. „Seit 2008, dem Jahr in dem die Krise eigentlich bereits begann, wurden 418 Steuerbestimmungen erlassen, die für die Betriebe größtenteils nur negative Auswirkungen hatten. Dadurch kann man nichts erreichen und die Rezession setzt sich fort!"
Neue Bestimmungen wurden auch am italienischen Arbeitsmarkt durch das Dekret Poletti und den „jobs act" eingeführt, die Riccardo Giovani vom Confartigianato näher erläuterte: „Renzis „Jobs act" wird nicht alles lösen, aber die Arbeitsmarktreform ist dringend notwendig!" Eine wichtige Änderung betrifft den Artikel 18 der aktuellen Arbeitsgesetzgebung, der in den letzten Tagen vorgeschlagen wurde. „Die neue Bestimmung sieht vor, dass bei ungerechtfertigten Kündigungen in Unternehmen mit mehr als 15 Angestellten nur mehr Entschädigungen zu zahlen sind und nicht, wie im Artikel 18 festgeschrieben, auch eine Wiedereinstellung des Mitarbeiters verpflichtend ist", erklärt Giovani. „Aber für Kleinst- und Kleinbetriebe ist die neue Regelung mit Vorsicht zu genießen", warnt er und begründet dies damit, dass Artikel 18 Entschädigungszahlungen bis höchstens 10 Monatsgehältern festhält, aber durch die neue Bestimmung, die dann einheitlich auch für Betriebe über 15 Mitarbeiter gelten wird, diese Nachzahlungen fast das Doppelte betragen können.
kongress trevisani_giovani_1000Weiterer wichtiger Punkt war die hohe Jugendarbeitslosigkeit und der Lehrvertrag, der in Italien nicht funktioniert. „Die Gesetzgebung behindert die Lehrlingsausbildung. Wie will man beispielsweise einen minderjährigen Bäcker ausbilden, wenn die Gesetze der Nachtarbeit von Jugendlichen einen Riegel vorschiebt?", stellte Giovani die Frage. Er kritisierte auch, dass jüngere italienische Jugendliche, die noch in Ausbildung sind, Anrecht auf das gleiche Gehalt haben wie ältere Jugendliche mit höheren Qualifikationen. „Welcher Betrieb entscheidet sich dann für den Jüngeren, wenn er einen qualifizierten älteren Facharbeiter zum selben Lohn haben kann?" Da liegen die Gründe für die Jugendarbeitslosigkeit auf der Hand. „Ein Vorschlag wäre, Lehrlingen, die neben den praktischen Arbeitsstunden im Betrieb noch die Schule besuchen, jene Zeit nur mit 35% des Gehalts zu vergüten", meinten die Experten des Confartigianato. Ein weiterer hochaktueller Brennpunkt ist die prekäre Situation bei den Arbeitskontrollen in Italien. „Es braucht eine einheitliche Agentur für Arbeitsinspektionen, um die Betriebe zu entlasten und ihre Arbeit nicht ständig mit Kontrollen aufzuhalten und ihnen bei geringsten Vergehen Strafen aufzubürden", so Riccardo Giovani.

 

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