40 Betriebe, 100 Jugendliche, 15 Berufe
Der Skills Day in St. Ulrich zeigt, dass Berufsorientierung konkret sein muss.
Wer über Fachkräftemangel spricht, spricht oft abstrakt. Zahlen, Prognosen, Diagramme. Im Kongresshaus St. Ulrich war das anders. Dort ging es um Hände, Materialien, Gespräche – und um die Frage, was junge Menschen wirklich sehen, wenn sie an Handwerk denken.
Beim „Skills Day“ der Mittelschulen St. Ulrich und Wolkenstein stellten 40 Betriebe rund 100 Schülerinnen und Schülern 15 Handwerksberufe vor: Holzbildhauer/in, Bodenleger/in, Elektrotechniker/in, Fassmaler/in und Vergolder/in, Friseur/in, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechniker/in, Karosserietechniker/in, Kfz-Mechatroniker/in, Maler/in und Lackierer/in, Schmied/in und Schlosser/in, Schönheitspfleger/in, Tapezierer/in-Raumausstatter/in, Tischler/in sowie Holzbaumeister/in und Zimmerer/in.
Berufsorientierung bedeutete hier nicht Broschüre, sondern Berührung.
Handwerk sichtbar machen
Für Hannes Senoner, lvh-Ortsobmann von St. Ulrich, ist das Format mehr als ein Schultag außerhalb des Klassenzimmers: „Solche Initiativen sind für unsere Handwerksbetriebe von großer Bedeutung, um neue Lehrlinge zu gewinnen und qualifizierte einheimische Arbeitskräfte zu sichern“, sagt er.
Anschaulich heißt: ausprobieren dürfen. Fragen stellen. Fehler machen. Noch einmal versuchen.
Breite statt Einzelauftritt
Filip Piccoloruaz, Obmann des Kunsthandwerks im lvh, war heuer erstmals mit dabei. Bisher ging man meist direkt in einzelne Schulen. Das neue Format verändert die Perspektive.
„Durch diese Initiative haben nun mehrere Betriebe und verschiedene Handwerksberufe die Möglichkeit, gemeinsam teilzunehmen und den Schülerinnen und Schülern ein breites Bild über die Ausbildung im Handwerk zu vermitteln“, erklärt er.
Gerade in der Bildhauerei werde dabei deutlich, wie anspruchsvoll und vielseitig das Handwerk sei. „Die Schülerinnen und Schüler erkennen besonders gut, wie komplex dieser Beruf ist – und gleichzeitig erleben sie den Reiz und die Besonderheit, die er mit sich bringt.“
Handwerk wird nicht erklärt. Es wird erlebt.
Vorurteile abbauen – Interessen entdecken
Jonas Prinoth, Experte bei den WorldSkills, beobachtet vor allem eines: echtes Interesse.
„Die Schülerinnen und Schüler zeigen großes Interesse an dieser Aktion. Sie erhalten die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild vom Handwerk zu machen“, betont er. „Durch das praktische Ausprobieren können Vorurteile abgebaut werden, und die Jugendlichen erkennen die Vorteile der verschiedenen Handwerksberufe. Gleichzeitig hilft ihnen die Aktion, eigene Interessen und Stärken zu entdecken.“
Berufsorientierung wird hier zum Selbsttest.
Praxis als Erkenntnis
Wie konkret das aussehen kann, zeigt Raffael Stenico, Goldmedaillengewinner der EuroSkills. Bei seiner Station bauen die Jugendlichen selbst ein kleines Hauseck aus Ziegeln.
„Sie tragen Mörtel auf und setzen die Ziegel schichtweise übereinander“, erklärt er. „Dabei zeigen und erklären wir ihnen, wie ein Hauseck richtig gemauert wird und wie zum Beispiel eine Fensteröffnung eingeplant werden kann.“
Plötzlich wird aus Theorie Statik. Aus einem Ziegel Verantwortung. Aus einer Übung ein möglicher Beruf.
Mehr als ein Projekttag
Der Skills Day ist keine Werbeveranstaltung. Er ist ein Realitätsabgleich. Für die Jugendlichen – und für die Betriebe. Wer hier mitmacht, investiert Zeit. Und bekommt im Gegenzug Aufmerksamkeit, Fragen und Begeisterung.
Berufsorientierung funktioniert dort, wo Handwerk greifbar wird. Wo Holz, Metall, Farbe, Technik und Kreativität nebeneinanderstehen – und Jugendliche erkennen: Das ist kein Plan B. Das ist eine echte Option.
Oder anders gesagt: Zukunft entsteht, wenn man sie anfassen darf.
Bild 01: Stein auf Stein bei den Maurerinnen – Foto © lvh.apa
Bild 02: Filigrane Arbeit bei den Fassmalerinnen – Foto © lvh.apa
Bild 03: Bodenlegerinnen im Einsatz – Foto © lvh.apa
Bild 04: praktische Anwendung in der Schönheitspflege – Foto © lvh.apa
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