Wipptal: Gewährleistung der Sicherheit ist oberstes Ziel!

Vor allem die Arbeitssicherheit mit ihren zahlreichen Auflagen und Sanktionen stand bei der Jahreshauptversammlung der Wipptaler Handwerker im lvh im Fokus der Vorträge und Diskussionen. Neben lvh-Präsidenten Gert Lanz war auch Martha Stocker, die Landesrätin für Arbeit, anwesend, um die Thematik aus der jeweiligen Perspektive zu beleuchten. Im Rahmen der Versammlung wurde außerdem eine Diplomarbeit der Rechtsuniversität Innsbruck vorgestellt, in der ein Vergleich zwischen den Arbeitssicherheitsbestimmungen in Italien, Österreich und Deutschland gezogen wurde.

wipptal bv_800„Es gibt zurzeit viele Brandherde, die im Wipptal zu löschen wären", unterstrich lvh-Bezirksobmann Karl Keim. „Das hat wahrscheinlich auch viele abgeschreckt bei den diesjährigen Gemeinderatswahlen zu kandidieren", bedauerte er, sprach aber jenen einen Dank aus, die sich trotz der schwierigen Situation der Wahl stellen. Er rief die anwesenden Handwerker auch auf, die Anwärter bestmöglich zu unterstützen und am 10. Mai für die Wirtschaft zu stimmen. Bezüglich der Arbeitssicherheit betonte er die Wichtigkeit eines sensiblen Umgangs mit der Thematik, hob aber auch hervor, dass die Umsetzung der Bestimmungen oft sehr übertrieben sei.

"Wie Schwerverbrecher behandelt"

"Bei kleinsten Vergehen bei der Arbeitssicherheit werden manche von uns Handwerkern oft schon wie Schwerverbrecher behandelt", legte lvh-Präsident Gert Lanz dar und unterstrich, dass die hohe Auflagen oft große Probleme für die Kleinbetriebe mit sich bringen. „Die Welt und die Wirtschaft leben aber von der Vielfalt", waren seine Worte. „Und genau deshalb braucht es die Kleinst- und Kleinbetriebe, denn sie geben durch ihre Individualität unserer Gesellschaft ein unverwechselbares Gesicht. Ihre Existenz muss gesichert sein." Er kritisierte auch, dass sich immer noch mehr Bürokratie anhäufe und die Situation sich seit der letzten Entwicklungen rund um Split Payment, Reverse Charge und der elektronischen Fakturierung noch mehr zuspitze.

"Eine bewusstere Sicherheitskultur etablieren"

"EU-Richtlinien werden in Italien leider meist noch verschärft", begründete Martha Stocker, die Landesrätin für Gesundheit, Sport, Sozialwesen und Arbeit, die strengen Arbeitssicherheitsbestimmungen in Italien. Man sei aber schon dabei, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation in Südtirol zu entschärfen. Man plane beispielsweise, die Arbeitsinspektoren besser zu schulen und angemeldete Schwerpunktkontrollen einzuführen. Auch könne dem Land Südtirol nicht verboten werden, den Betrieben als beratendes Organ zur Seite zu stehen. Sie hob aber hervor, dass auch bei den Arbeitnehmern und –gebern noch Sensibilisierungsarbeit zu leisten sei und in den Betrieben eine bewusstere Sicherheitskultur etabliert werden müsse. „Wir müssen alles dafür tun, um die Sicherheit in unseren Betrieben zu gewährleisten. Das ist unser oberstes Ziel", so Stocker.

In Italien jede Übertretung eine Straftat

Auch die Diplomarbeit, die im Rahmen der Sitzung vorgestellt wurde, drehte sich um das Thema der Arbeitssicherheit. Autor Stefan Premstaller, Absolvent der Rechtsuniversität Innsbruck, hat darin die Arbeitssicherheitsbestimmungen in Italien, Österreich und Deutschland (Bayern) verglichen und festgestellt, dass zwischen den Ländern teils große Unterschiede vorherrschen. So werden Übertretungen in Italien um ein Vielfaches strenger gehandhabt als in Österreich oder Deutschland und auch gebe es keine Möglichkeit, die Betriebe zunächst nur zu ermahnen. „In Italien ist jede Übertretung eine Straftat", erklärte Premstaller. Ein weiterer eklatanter Unterschied ist die Integration der Arbeitssicherheitskurse in die Lehrpläne der Berufsschulen. Während in den deutschsprachigen Ländern jene Kurse fester Bestandteil der Ausbildung sind, müssen italienische Lehrlinge im Betrieb nachgeschult werden. „Die Kurse sollen jetzt aber in der Schulzeit absolviert werden. Dadurch können sich die Betriebe in Zukunft Kosten und Zeit sparen", informierte Premstaller.

Aktuelles Vergabegesetz eine Katastrophe

Der Sterzinger Bürgermeister Fritz Karl Messner stellte fest, dass die Gemeindeverwaltungen mit den gleichen Problemen wie die Betriebe zu kämpfen haben. „Das Vergabegesetz ist eine Katastrophe. Es gibt bereits Betriebe, die nicht mehr mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten möchten", so Messner und setzte alle Hoffnung in das neue Vergabegesetz, das noch 2015 umgesetzt werden soll.

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