Berufsbildung kennt keine Grenzen
Sechs Länder, eine gemeinsame Herausforderung: Nachwuchskräfte gewinnen. Beim europäischen Kammertreffen 2026 in Bozen stand die Zukunft im Fokus.
Unter dem Motto „Berufsbildung gemeinsam gestalten“ trafen sich kürzlich Berufsbildungsexperten der Kammern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol in Bozen. Gastgeber waren der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) sowie die Handelskammer Bozen. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Bilateralen Körperschaft für das Handwerk (BKH-EBA).
Unter den teilnehmenden Ehrengästen befanden sich auch Landeshauptmannstellvertreter Marco Galteo, Landesrat Luis Walcher, Johanna Santa Falser, Vizepräsidentin der Handelskammer Bozen, lvh-Vizepräsident Hannes Mussak, Daniela Bortolon (Vorsitzende der lvh-AG Berufsbildung) und lvh-Direktor Walter Pöhl. Ein Blick auf die Länderberichte zeigte, wie ähnlich die Herausforderungen in Europa inzwischen sind. Ob Deutschland, die Schweiz oder Südtirol: Fachkräftemangel, die Attraktivität der Lehre, die Digitalisierung und die Anpassung der Ausbildungsinhalte an neue Anforderungen beschäftigen Betriebe und Bildungseinrichtungen gleichermaßen.
Während Deutschland verstärkt gegen unbesetzte Lehrstellen vorgeht, modernisieren Österreich und die Schweiz ihre Berufsbilder und verankern digitale Kompetenzen stärker in der Ausbildung. Luxemburg und Ostbelgien setzen auf die weitere Aufwertung der dualen Ausbildung und den Ausbau neuer Ausbildungsangebote in Zukunftsbereichen.
Südtirol punktet mit Praxisnähe
Unter den Delegationen stieß besonders das Südtiroler Berufsbildungssystem auf großes Interesse. Der Grund: Südtirol setzt gezielt auf eine enge Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen, Betrieben und Sozialpartnern, um den Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu begegnen. Im Mittelpunkt stehen die Sicherung qualifizierter Fachkräfte, die Stärkung des Handwerks, die Digitalisierung der Ausbildung und passgenaue Bildungsangebote für die Betriebe. „Eine starke Berufsbildung ist die wichtigste Grundlage für die Zukunft unserer Betriebe. Der Austausch mit unseren europäischen Partnern zeigt, dass wir viele Herausforderungen teilen, aber auch voneinander lernen können“, betonte lvh-Präsident Martin Haller.
Gerade die enge Zusammenarbeit von Schulen, Berufsbildung und Wirtschaft wurde von den Delegationen als besondere Stärke wahrgenommen. Bildungslandesrat Philipp Achammer erläuterte die bildungspolitischen Schwerpunkte des Landes. Neben der Weiterentwicklung der Berufsbildung setzt Südtirol auf Mehrsprachigkeit, digitale Kompetenzen, Chancengleichheit und eine stärkere Orientierung zwischen Schule und Beruf. Ziel ist es, jungen Menschen attraktive Perspektiven zu bieten und zugleich den Fachkräftebedarf der Wirtschaft langfristig zu sichern.
Europa will Mobilität erleichtern
Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der europäischen Perspektive. Zunächst stellte Thomas Mayr vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) neue Ansätze für einen besseren Vergleich der dualen Berufsbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Vergleichbare Daten sollen künftig eine fundiertere Grundlage für die Weiterentwicklung der Berufsbildung und bildungspolitische Entscheidungen schaffen.
Anschließend stellte EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann die Initiative „Union of Skills“ vor, mit der die Europäische Union dem Fachkräftemangel begegnen und Aus- sowie Weiterbildung stärken will. Ein zentrales Ziel ist die bessere Anerkennung von Qualifikationen innerhalb Europas.
Daran knüpft der geplante „Skills Portability Act“ an. Berufsabschlüsse und Qualifikationen sollen künftig europaweit leichter verstanden, verglichen und anerkannt werden können. Vorgesehen sind digitale Qualifikationsnachweise, vernetzte Qualifikationsdatenbanken und vereinfachte Anerkennungsverfahren. Für Handwerksbetriebe könnte dies den Zugang zu qualifizierten Fachkräften aus anderen EU-Staaten erleichtern und bürokratische Hürden abbauen.
Die Tagung in Bozen unterstrich, dass die Zukunft der Berufsbildung zunehmend europäisch gedacht wird. Südtirol will diesen Weg nicht nur begleiten, sondern mit seinem praxisnahen Ausbildungssystem und dem engen Schulterschluss zwischen Bildungseinrichtungen, Sozialpartnern und Wirtschaft aktiv mitgestalten.
Im Bild: Die Teilnehmenden des Europäischen Kammertreffens 2026 im Felsenkeller Laimburg – © gugg films
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