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Zwischen Maßarbeit und Systemdruck

Orthopädieschuhmacher/innen arbeiten dort, wo Handwerk unmittelbar Lebensqualität bedeutet. Maßnehmen, anpassen, korrigieren – jedes Produkt ist ein Unikat, jede Lösung individuell. Genau dieses Spannungsfeld zwischen handwerklicher Präzision und systemischen Rahmenbedingungen stand im Mittelpunkt der Jahresversammlung der Orthopädieschuhmacher/innen im lvh.

Datum
18.02.2026
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Obmann Hannes Gamper zog insgesamt eine positive Bilanz. Besonders erfreulich sei die zuletzt erreichte Anpassung der Preise auf nationaler und provinzieller Ebene, die mit Jänner 2025 in Kraft trat. „Diese Erhöhungen waren dringend notwendig, um die tatsächliche handwerkliche Leistung und den hohen fachlichen Anspruch unseres Berufs besser abzubilden“, betonte Gamper. Gleichzeitig machte er deutlich, dass damit nicht alle Herausforderungen gelöst seien.

Bürokratie bleibt Bremsklotz
Trotz der Fortschritte auf der Preisebene bestehen weiterhin abrechnungstechnische und bürokratische Hürden, insbesondere im Zusammenspiel mit dem Sanitätsbetrieb und im Rahmen des neuen Nomenklators. Die Regelwerke seien komplex, interpretationsanfällig und im Alltag oft schwer praktikabel. Gamper kündigte an, dass hierzu weitere Gespräche und konkrete Termine folgen werden, um gemeinsam mit dem lvh Lösungen einzufordern, die der Realität der Betriebe entsprechen.

Handwerk ist mehr als Funktion
In seinem Beitrag ordnete lvh-Direktor Walter Pöhl die Situation der Orthopädieschuhmacher/innen in einen größeren Zusammenhang ein. Er sprach über die Kernthemen des Verbandes für das Jahr 2026 und stellte klar, dass das Handwerk weit mehr sei als eine reine Dienstleistung. „Handwerk bedeutet Selbstverwirklichung, Verantwortung und Sinn. Diese Dimension kann keine künstliche Intelligenz ersetzen“, so Pöhl. Gerade in einem Beruf, der medizinische Anforderungen mit handwerklichem Können verbindet, bleibe der Mensch der entscheidende Faktor.
Pöhl unterstrich zudem, dass Qualität nicht automatisiert entstehe, sondern Ergebnis von Ausbildung, Erfahrung und Haltung sei. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bedeutung innovativer Ausbildungswege und einer starken beruflichen Identität.

Neue Zugänge zum Beruf
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Lehre B, die als Möglichkeit gesehen wird, Quereinsteiger/innen für den Beruf der Orthopädieschuhmacher/innen zu gewinnen. Angesichts des Fachkräftemangels könne dieser Weg ein wichtiger Baustein sein, um neue Zielgruppen anzusprechen und langfristig Fachwissen im Beruf zu sichern.
Die Jahresversammlung zeigte damit klar: Die Orthopädieschuhmacher/innen stehen für höchste handwerkliche Qualität, brauchen dafür aber Rahmenbedingungen, die diese Leistung auch anerkennen. Zwischen individueller Maßarbeit und standardisierten Systemen bleibt der Dialog entscheidend – im Interesse der Betriebe, der Fachkräfte und nicht zuletzt der Menschen, für die dieses Handwerk täglich den Unterschied macht.

Im Bild (von links): Markus Volgger, Simon Volgger, Hannes Gamper, Florin Spechtenhauser, Caroline Putzer, Felix Kammerer und Markus Putzer – ©lvh.apa

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