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Hitzeschutz braucht Augenmaß

Wenn das Thermometer klettert, geraten nicht nur die Temperaturen in Bewegung, sondern auch die Debatte. Ab welcher Temperatur darf noch gearbeitet werden? Braucht es strengere Vorschriften? Und wer entscheidet, wann Hitze zur Gefahr wird?

Datum
10.07.2026
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Die Fragen sind berechtigt. Denn die Sommer werden heißer und die Belastung für Menschen, die im Freien arbeiten, nimmt zu. Auf Baustellen ist das längst keine theoretische Debatte mehr, sondern tägliche Realität. Gerade deshalb beschäftigen sich die Betriebe in Südtirol seit Jahren intensiv mit dem Thema Hitzeschutz. Viele Unternehmen beginnen an besonders heißen Tagen früher mit der Arbeit, verlegen körperlich belastende Tätigkeiten in die Morgenstunden, schaffen zusätzliche Pausenmöglichkeiten und sorgen für ausreichend Trinkwasser und Schattenbereiche. Was heute vielerorts diskutiert wird, wird auf Südtirols Baustellen bereits seit Jahren gelebt.

Die Herausforderungen betreffen dabei nicht nur die Bauwirtschaft, sondern zahlreiche Handwerksberufe, die täglich im Freien oder unter anspruchsvollen Bedingungen arbeiten – viele Tätigkeiten lassen sich nicht einfach in klimatisierte Räume verlegen. Handwerk findet dort statt, wo Menschen bauen, reparieren, installieren, gestalten und Dienstleistungen erbringen.

Wer über Arbeiten bei Hitze spricht, spricht gleichzeitig über jene Menschen, die Häuser bauen, Straßen instand halten, Dächer reparieren oder technische Anlagen installieren. Ihre Arbeit findet dort statt, wo gebaut, saniert und gearbeitet wird – und eben nicht in klimatisierten Büros. Die Diskussion über Hitzeschutz ist deshalb wichtig, weil sie auch die Bedeutung des Handwerks für das tägliche Leben sichtbar macht. Ohne ihren täglichen Einsatz würden viele Bereiche des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft schlicht nicht funktionieren.

„Wer auf einer Baustelle arbeitet, ist den Witterungsbedingungen jeden Tag direkt ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden und die Sicherheit der Beschäftigten an erster Stelle steht“, sagt lvh-Baugruppenobmann Fritz Ploner.

Die Betriebe seien sich dieser Verantwortung bewusst und würden entsprechende Maßnahmen mit großer Sorgfalt umsetzen.

Gleichzeitig zeigt die Diskussion, wie schwierig pauschale Lösungen in der Praxis sein können. Eine starre Temperaturgrenze mag auf den ersten Blick einfach erscheinen. Die Realität auf Baustellen ist jedoch deutlich komplexer. Zwischen einer Asphaltierungsarbeit im Talboden, einer Dachsanierung im Stadtgebiet und einer Baustelle in höheren Lagen können erhebliche Temperaturunterschiede bestehen. Südtirol kennt viele Klimazonen – und entsprechend unterschiedlich sind die Bedingungen vor Ort. Die Realität des Handwerks lässt sich daher nicht allein an einer Zahl auf dem Thermometer festmachen.

„Die Diskussion über Hitzeschutz ist grundsätzlich wertvoll. Sie macht sichtbar, welche Leistungen täglich von Handwerkerinnen und Handwerkern erbracht werden“, betont lvh-Direktor Walter Pöhl. Gleichzeitig brauche es Augenmaß: „Starre Regeln werden der Realität oft nicht gerecht. Im Winter wäre es vielfach zu kalt, im Sommer zu heiß. Die Praxis ist deutlich differenzierter. Deshalb braucht es Lösungen, die den tatsächlichen Bedingungen auf den Baustellen Rechnung tragen.“ Die Herausforderungen würden zweifellos größer, so Pöhl weiter. Umso wichtiger sei es, bestehende Schutzmaßnahmen laufend weiterzuentwickeln und an neue klimatische Bedingungen anzupassen. „Entscheidend ist nicht die Anzahl neuer Vorschriften, sondern dass die Maßnahmen vor Ort wirksam und praktikabel sind.“

Dass die Unternehmen ihre Verantwortung ernst nehmen, steht außer Frage. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat höchste Priorität. Gleichzeitig müssen Maßnahmen praktikabel bleiben und sich an den konkreten Gegebenheiten orientieren. Denn Sicherheit entsteht nicht allein durch zusätzliche Vorschriften, sondern vor allem durch eine gelebte Sicherheitskultur, die von Betrieben und Beschäftigten gemeinsam getragen wird.

Die eigentliche Herausforderung liegt daher weniger in neuen Verboten als in einem verantwortungsvollen Zusammenspiel von Betrieben, Beschäftigten und Behörden. Hitzeschutz braucht Verantwortung, Flexibilität und Hausverstand. Genau darauf setzen Südtirols Handwerksbetriebe seit Jahren – denn hinter jeder Straße, jedem Dach, jeder Installation und jedem fertiggestellten Bauwerk stehen Menschen, die auch an heißen Tagen dafür sorgen, dass unser Land funktioniert.

 

Im Bild: Das Südtiroler Handwerk sorgt auch an heißen Tagen dafür, dass unser Land funktioniert – Foto © Hannes Niederkofler

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