„Das praktische Denken oft verlernt"

Die schwierigen Rahmenbedingungen für die Klein- und Mittelbetriebe Südtirols waren das Hauptthema bei der diesjährigen lvh-Bezirksversammlung von Brixen. In der Kritik standen die öffentlichen Ausschreibungen sowie die neuen Bestimmungen rund um Split Payment, elektronische Fakturierung und Reverse Charge, die seit Jahresbeginn für großen Unmut in den Betrieben und Gemeindeverwaltungen sorgen. Beim Treffen wurde auch angekündigt, dass 2016 eine bezirksübergreifende Wirtschaftsschau in Brixen veranstaltet werden soll, bei der auch den Handwerkern eine tragende Rolle zukommen wird.

Erlacher Johann_BOBrixenlvh-Bezirksobmann Johann Erlacher„Öffentliche Ausschreibungen müssen für unsere Klein- und Mittelbetriebe zugänglich gemacht werden", so der Appell des Brixner lvh-Bezirksobmannes Johann Erlacher. „Dem ungeheuren Kosten- und Zeitaufwand muss endlich entgegengewirkt werden", unterstrich er weiter und kritisierte vor allem die strengen Auflagen bei der Arbeitssicherheit. Er konnte aber auch Positives berichten und kündigte für den Bezirk Brixen eine Wirtschaftsschau an, die im Mai 2016 veranstaltet werden soll. „Es hat bereits erste Gespräche mit den anderen Verbänden gegeben und auch mit den Berufsschulen und den lokalen Banken ist man ebenfalls schon in Kontakt", informierte Erlacher und teilte mit, dass nun ein Organisationsgremium zusammengestellt werden soll. Abschließend dankte er der Volksbank für das Sponsoring des Buffets am Ende der Sitzung.

Schwierige Rahmenbedingungen für Klein- und Mittelbetriebe

Pöhl BV_Brixen_2015lvh-Vizedirektor Walter Pöhl lvh-Vizedirektor Walter Pöhl informierte über die Themen auf Verbandsebene. Auch er bedauerte die schwierigen Rahmenbedingungen für die Klein- und Mittelbetriebe Südtirols und bewertete die letzten Entwicklungen rund um Split Payment, elektronische Fakturierung und Reverse Charge sehr kritisch. "Italien führt Gesetze aus, die zuerst gar nicht überdacht werden", so Pöhl, der die Regulierungswut bei der Arbeitssicherheit und dem Jugendschutz als Ursache für die schwindenden Lehrlingszahlen sah. „Betriebe sind nicht mehr bereit, Jugendlichen einen Lehrvertrag zu geben, da die rechtliche Lage einfach zu unsicher ist", sagte Pöhl, der gab aber auch bekannt gab, dass die zuständige Landesrätin Martha Stocker bereits zugesichert hatte, verschiedene Maßnahmen für eine Umgestaltung der rigorosen Bestimmungen einzuleiten. Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei sicherlich die Integration der Arbeitssicherheitskurse in die Lehrpläne der Berufsschulen, kommentierte der lvh-Vizedirektor.
"Die Gemeindeverwaltungen teilen die Probleme der Handwerker", sagte Andreas Schatzer, der Präsident des Gemeindeverbandes, der hervorhob, dass auch er momentan alle Hoffnung in das neue Vergabegesetz lege. „Die Gemeinden haben bei den Ausschreibungen oftmals großen Respekt vor der Vergabe. Viele stellen sogar externe Firmen an, die das Verfahren professionell abwickeln sollen", informierte Schatzer. „Man darf auch nicht vergessen, dass die Gemeinden kostendeckend arbeiten müssen. Deshalb sind sie auch bei der Reduzierung von bestimmten Steuerabgaben eingeschränkt", erklärte er. 

Handwerk als Chance

BV Brixen_2015 lvh-Bezirksversammlung von BrixenJasmin Fischnaller, die Landesvorsitzende der Junghandwerker und gebürtige Brixnerin, sprach von der Wichtigkeit der dualen Ausbildung. „Wir müssen alles daran setzen, dass unsere Handwerksberufe wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft erhalten", appellierte Fischnaller. „Jugendliche sollen das Handwerk als Chance sehen, auf der man eine erfolgreiche Zukunft in einem spannenden Arbeitsumfeld aufbauen kann", so die Junghandwerkerchefin, die selber als Tapeziererin und Raumausstatterin in ihrem Familienbetrieb tätig ist.
Zu Wort kam beim Treffen auch Christoph Prugger, der wiedergewählte Bürgermeister von Mühlbach. „Leider muss man oft feststellen, dass viele Entscheidungsträger das praktische Denken verlernt haben und der gesunde Hausverstand fehlt", so Prugger. Das größte Problem sei aktuell nach wie vor die Bürokratieflut, die schon längst die Überhand genommen hat. Konrad Obexer, der Bezirksobmann des Bauernbundes, bestätigte, dass auch die Bauern mit ähnlichen Problemen wie die Handwerker zu kämpfen hätten. „Es ist wichtig, dass die Verbände zusammenarbeiten und gemeinsam nach Lösungen suchen", betonte er. Nur dadurch könne man effektiv Vereinfachungen erreichen.

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