Für Südtirol bringt das Gesetz eine weitere, sehr wichtige
Neuerung: Die Berufsschulmatura ist mit diesem Beschluss Realität. Südtirols
Berufsschulen werden also dazu berechtigt, ein fünftes abschließendes Schuljahr
vorzusehen und mit einer Maturaprüfung abzuschließen. Es handelt sich um eine
vollwertige Reifeprüfung, die zum Universitätsstudium berechtigt.
In
Italien wird die Reform ab dem Schuljahr 2010/2011 umgesetzt.Die staatlichen
Vorgaben sehen vor, dass die Oberstufe auf drei Säulen ruhen soll: den
Gymnasien, den Fachoberschulen sowie den berufsbildenden Schulen. Die Vielzahl
an Fachrichtungen wird also eingeschränkt: Derzeit gibt es 13 Typen von
Gymnasien, 18 Fachoberschulen, elf Lehranstalten und eine breite Palette an
berufsbildenden Schulen.
Die drei Säulen sollen gleichwertig sein, was
vergleichbare Bildungsstandards und größtmögliche Durchlässigkeit bedeutet. Sie
werden auf fünf Jahre ausgerichtet und mit einer Matura abschließen.
"Berufsmatura ist Meilenstein für Gleichwertigkeit der
Bildungswege"
 |
| LVH-Präsident Walter Pichler |
"Die Berufsmatura ist ein Meilenstein für
die Lehre und den beruflichen Ausbildungsweg, da sie den Berufsschülern den
direkten Weg zur Matura und zu einem Universitätsstudium öffnet. Damit haben
Berufsschüler künftig diesselben Möglichkeiten wie Absolventen von Oberschulen",
freut sich LVH-Präsident Walter Pichler über den Beschluss des römischen
Ministerrats zur Einführung der Berufsmatura.
Für den LVH bedeutet die Berufsmatura eine zusätzliche
Aufwertung der Berufsbildung. "Bereits bisher entscheidet sich jeder dritte
Jugendliche nach dem Besuch der Mittelschule für eine Lehre oder
Berufsfachschule", sagt Pichler. "Diese Zahl wird künftig steigen, weil nun der
berufliche Ausbildungsweg auch für jene Jugendlichen attraktiv ist, die sich für
einen Beruf interessieren und zugleich die Maturaprüfung ablegen wollen."
Seinen Dank richtet der LVH an den früheren
Berufsbildungslandesrat und Landeshauptmannstellvertreter Otto Saurer, der die
Berufsmatura in Südtirol auf den Weg gebracht hat, sowie an die Südtiroler
Vertreter in Kammer und Senat in Rom. "Die Südtiroler Parlamentarier haben an
der Berufsmatura hartnäckig festgehalten und an dieses gemeinsame Ziel geglaubt,
dadurch war die Genehmigung möglich. Wir freuen uns, dass der Ministerrat in Rom
das Prinzip der Berufsmatura als wertvolle zusätzliche Bildungsmöglichkeit für
die Jugendlichen erkannt hat", erklärt LVH-Direktor Hanspeter Munter.
Die Berufsmatura wurde von Otto Saurer gemeinsam mit
LVH-Direktor Hanspeter Munter, der damals Landtagsabgeordneter war, als Gesetz
eingebracht. Nach der Genehmigung im Südtiroler Landtag am 5. März 2008 folgten
Kompetenzstreitigkeiten mit Rom, die nun mit dem gestrigen Ministerratsbeschluss
beigelegt sind.