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| Auf der LVH-Bezirksversammlung Klausen, von rechts LVH-Direktor
Hanspeter Munter (stehend), Landesrat Florian Mussner, LVH-Bezirksobmann
Josef Felderer, LVH-Präsident Walter Pichler, LVH-Vizepräsident Gert Lanz.
Gegenüber sitzt Michael Mitterrutzner, Vizebürgermeister von
Klausen |
LVH-Bezirksobmann Josef Felderer hatte Bautenlandesrat
Florian Mussner zu der Versammlung eingeladen. "Wir alle wollen, dass die
öffentlichen Arbeiten an einheimische Betriebe vergeben werden", stellte Mussner
deutlich klar. Obwohl das bisherige Landesgesetz zur Vergabe der Arbeiten
geändert werden musste, gäbe es verschiedene Wege, die Arbeiten im Land zu
behalten - auch wenn es für Betriebe und Gemeindeverwaltungen schwieriger werden
wird.
Aktuelle Situation wird sich nicht
ändern
"An dieser Situation wird sich in den nächsten Jahren
auch nichts ändern, daher müssen die Unternehmer realistisch bleiben und sich
darauf einstellen", bedauerte der Landesrat. Die Aufteilung in Gewerke sei das
hauptsächliche Problem, da diese nicht mehr so wie bisher durchgeführt werden
kann. Mussner rief die Gemeindeverwaltungen zu mehr Courage auf, um Wege zu
finden, öffentliche Arbeiten vor allem über Kleinaufträge und
Qualitätsausschreiben an einheimische Betriebe zu vergeben, obwohl das mehr
Bürokratie mit sich ziehe. "Zudem appelliere ich an die Ethik der Menschen.
Diese muss auch im Wirtschaftsleben wieder mehr an Wert gewinnen, denn die
schlechte Zahlungsmoral vor allem der größeren Unternehmen, die ihre kleinen
Subunternehmer nicht bezahlen, ist nicht zu
akzeptieren."
"Nicht automatisch Rekurs
einlegen!"
LVH-Präsident Walter Pichler bedauerte den bereits
seit acht Monaten andauernden Stillstand bei den öffentlichen Ausschreibungen:
"2010 wird daher zu einem Jahr der Bewährung und der Änderungen. Das
Kirchturmdenken vieler Betriebe muss der Vergangenheit angehören, mehr
Zusammenarbeit mit anderen Betrieben ist nun gefragt", forderte Pichler. Mit
Selbstkritik in diese Richtung sparte LVH-Vizepräsident Gert Lanz nicht. "Wenn
Qualitätsausschreibungen ein guter Weg sind, um die Aufträge im Land zu
behalten, dann sollten aber diejenigen, die leer ausgehen, nicht automatisch
gleich Rekurs einlegen und damit die Baustelle stilllegen", kritisierte
er.
Vier Problembereiche
Zum Thema
Wirtschaftlichkeit der Handwerksbetriebe präsentierte LVH-Direktor Hanspeter
Munter eine Studie, für die rund 120 Südtiroler Unternehmen befragt worden
waren. "Vier Problembereiche haben sich dabei herauskristallisiert: Rund ein
Drittel der Aufträge sind weggebrochen, viele Betriebe sind nicht liquide, die
Preise sind zu niedrig und es hapert an der Forcierung des Verkaufs", fasste
Munter zusammen. Einen wichtigen Tipp gab er den Handwerkern mit: "Lasst den
Kunden nicht spüren, dass ihr den Auftrag braucht, ansonsten wird er die
Situation für sich ausnutzen."
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| Die Neuregelung der öffentlichen Ausschreibungen brennt den Handwerkern unter den Nägeln |
Von einem konkreten Projekt - dem Neubau des
Kindergartens - und den bestehenden Schwierigkeiten, die Arbeiten in
Gewerke aufzuteilen, berichtete Klausens Vizebürgermeister Michael
Mitterrutzner. "Wir möchten, dass die einheimischen Betriebe diese Arbeit
erhalten, denn ausländische Firmen sind für uns uninteressant, da man auf diese
später nicht zurückgreifen kann", so Mitterrutzner. "Die Bereitschaft, daher
Qualitätsausschreibungen zugunsten der einheimischen Betriebe zu machen, ist bei
den Gemeinden vorhanden, allerdings verfügen wir noch nicht über die nötige
Erfahrung und brauchen Unterstützung von allen Seiten", appellierte
er.
Grußworte an die Versammlung richteten auch Engelbert
Grünberger, Bürgermeister von Lajen, und Alfons Klammsteiner, Vizebürgermeister
von Barbian. Beide bedauerten die Abschaffung der bisherigen Regelung zu den
öffentlichen Aufträgen, denn die neuen Vorschriften verkomplizieren auch für die
einzelnen Gemeindeverwaltungen die Arbeit enorm.
Über den
Preis kaum mehr Aufträge zu gewinnen
Einig war man sich am Ende der Versammlung, dass direkt
vergebene Kleinaufträge, Qualitätsausschreibungen und Bietergemeinschaften der
richtige Weg sei, um die Aufträge im Land zu behalten. "Auch wenn es für die
kleinen Betriebe sehr viel mehr Bürokratie bedeutet, wird dies die Zukunft sein,
da unsere Betriebe über den Preis und alleine auf sich gestellt kaum mehr
gewinnen können", fassten LVH-Bezirksobmann Felderer und Landesrat Mussner
zusammen.