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22.05.2012     /  Home  /  Bezirke  /  Klausen

Bezirksversammlung Klausen 2010: "Müssen uns auf jetzige Situation einstellen, alles wird schwieriger"


Ganz im Zeichen der öffentlichen Aufträge stand die diesjährige Bezirksversammlung der Handwerker am 24. März 2010 im Gasthof "Brunnerhof" in Klausen. Da private Aufträge rar gesät sind, setzen viele Unternehmen ihre Hoffnungen auf öffentliche Aufträge, doch die neuen Regelungen machen vor allem den kleinen Handwerksbetrieben das Leben schwer. Einige Lichtblicke entdeckte man dennoch.

Auf der LVH-Bezirksversammlung Klausen, von rechts LVH-Direktor Hanspeter Munter (stehend), Landesrat Florian Mussner, LVH-Bezirksobmann Josef Felderer, LVH-Präsident Walter Pichler, LVH-Vizepräsident Gert Lanz. Gegenüber sitzt Michael Mitterrutzner, Vizebürgermeister von Klausen
LVH-Bezirksobmann Josef Felderer hatte Bautenlandesrat Florian Mussner zu der Versammlung eingeladen. "Wir alle wollen, dass die öffentlichen Arbeiten an einheimische Betriebe vergeben werden", stellte Mussner deutlich klar. Obwohl das bisherige Landesgesetz zur Vergabe der Arbeiten geändert werden musste, gäbe es verschiedene Wege, die Arbeiten im Land zu behalten - auch wenn es für Betriebe und Gemeindeverwaltungen schwieriger werden wird.

Aktuelle Situation wird sich nicht ändern

"An dieser Situation wird sich in den nächsten Jahren auch nichts ändern, daher müssen die Unternehmer realistisch bleiben und sich darauf einstellen", bedauerte der Landesrat. Die Aufteilung in Gewerke sei das hauptsächliche Problem, da diese nicht mehr so wie bisher durchgeführt werden kann. Mussner rief die Gemeindeverwaltungen zu mehr Courage auf, um Wege zu finden, öffentliche Arbeiten vor allem über Kleinaufträge und Qualitätsausschreiben an einheimische Betriebe zu vergeben, obwohl das mehr Bürokratie mit sich ziehe. "Zudem appelliere ich an die Ethik der Menschen. Diese muss auch im Wirtschaftsleben wieder mehr an Wert gewinnen, denn die schlechte Zahlungsmoral vor allem der größeren Unternehmen, die ihre kleinen Subunternehmer nicht bezahlen, ist nicht zu akzeptieren." 

"Nicht automatisch Rekurs einlegen!"

LVH-Präsident Walter Pichler bedauerte den bereits seit acht Monaten andauernden Stillstand bei den öffentlichen Ausschreibungen: "2010 wird daher zu einem Jahr der Bewährung und der Änderungen. Das Kirchturmdenken vieler Betriebe muss der Vergangenheit angehören, mehr Zusammenarbeit mit anderen Betrieben ist nun gefragt", forderte Pichler. Mit Selbstkritik in diese Richtung sparte LVH-Vizepräsident Gert Lanz nicht. "Wenn Qualitätsausschreibungen ein guter Weg sind, um die Aufträge im Land zu behalten, dann sollten aber diejenigen, die leer ausgehen, nicht automatisch gleich Rekurs einlegen und damit die Baustelle stilllegen", kritisierte er. 

Vier Problembereiche

Zum Thema Wirtschaftlichkeit der Handwerksbetriebe präsentierte LVH-Direktor Hanspeter Munter eine Studie, für die rund 120 Südtiroler Unternehmen befragt worden waren. "Vier Problembereiche haben sich dabei herauskristallisiert: Rund ein Drittel der Aufträge sind weggebrochen, viele Betriebe sind nicht liquide, die Preise sind zu niedrig und es hapert an der Forcierung des Verkaufs", fasste Munter zusammen. Einen wichtigen Tipp gab er den Handwerkern mit: "Lasst den Kunden nicht spüren, dass ihr den Auftrag braucht, ansonsten wird er die Situation für sich ausnutzen."
 
Die Neuregelung der öffentlichen Ausschreibungen brennt den Handwerkern unter den Nägeln
Von einem konkreten Projekt - dem Neubau des Kindergartens - und den bestehenden Schwierigkeiten, die Arbeiten in Gewerke aufzuteilen, berichtete Klausens Vizebürgermeister Michael Mitterrutzner. "Wir möchten, dass die einheimischen Betriebe diese Arbeit erhalten, denn ausländische Firmen sind für uns uninteressant, da man auf diese später nicht zurückgreifen kann", so Mitterrutzner. "Die Bereitschaft, daher Qualitätsausschreibungen zugunsten der einheimischen Betriebe zu machen, ist bei den Gemeinden vorhanden, allerdings verfügen wir noch nicht über die nötige Erfahrung und brauchen Unterstützung von allen Seiten", appellierte er.
 
Grußworte an die Versammlung richteten auch Engelbert Grünberger, Bürgermeister von Lajen, und Alfons Klammsteiner, Vizebürgermeister von Barbian. Beide bedauerten die Abschaffung der bisherigen Regelung zu den öffentlichen Aufträgen, denn die neuen Vorschriften verkomplizieren auch für die einzelnen Gemeindeverwaltungen die Arbeit enorm.
 
Über den Preis kaum mehr Aufträge zu gewinnen
Einig war man sich am Ende der Versammlung, dass direkt vergebene Kleinaufträge, Qualitätsausschreibungen und Bietergemeinschaften der richtige Weg sei, um die Aufträge im Land zu behalten. "Auch wenn es für die kleinen Betriebe sehr viel mehr Bürokratie bedeutet, wird dies die Zukunft sein, da unsere Betriebe über den Preis und alleine auf sich gestellt kaum mehr gewinnen können", fassten LVH-Bezirksobmann Felderer und Landesrat Mussner zusammen.
 

30.03.2010, 00:00

 
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