Als Reaktion auf die Kritik an der derzeitigen Lehrlingssituation durch die Gewerkschaft SGB/CISL betont LVH-Präsident Walter Pichler die hohe Attraktivität der Lehre. "Die Ausbildung in einem Handwerkslehrbetrieb ist für die Jugendlichen ein wertvolles Kapital und eröffnet viele Möglichkeiten auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt."
 | | LVH-Präsident Walter Pichler |
Jährlich entscheiden sich gut 4500 Jugendliche aus der Fülle an Angeboten
bewusst für eine Lehre. "Die Betriebe investieren viel Zeit und Geld in die
Ausbildung junger Leute, weil sie hoffen, dadurch einen guten Mitarbeiter zu
bekommen", sagt Pichler. "Ein Lehrling ist alles andere als eine billige
Arbeitskraft. Die Rechnung geht für die Betriebe nicht immer auf, daher ist der
Wille der Handwerker, auf jeden Fall Lehrlinge auszubilden, nur zu begrüßen", so
der LVH-Präsident. Auch die Jugendlichen würden den Wert der Lehre erkennen und
das Lehrangebot der Betriebe weiterhin gut annehmen.
Die
Anforderungen an die Handwerker sei in den meisten Berufen stark gestiegen, auch
aufgrund der technischen Entwicklungen und der höheren Professionalität. "Die
Lehrzeiten sind genau den Anforderungen angepasst und betragen je nach Beruf
zwischen drei und fünf Jahre", erklärt LVH-Direktor Hanspeter Munter.
"Lehrzeiten kürzen wäre absurd, da man den Jugendlichen damit einen Teil der
Ausbildung wegnehmen und ihnen am meisten schaden würde." Er weist auch auf
die Ausbildung der Lehrlingsausbilder selbst hin, die laufend verbessert werde
und auch pädagogische Schulungen beinhalte.
Viel Bewegung auf
Arbeitsmarkt
Den Rückgang der Lehrlingszahl in den Jahren 2000
bis 2009 um 431 Lehrlinge auf nun 4496 Lehrlinge sieht man beim LVH gelassen.
"Erstens gab es in diesen zehn Jahren auch Anstiege und nur in den Krisenjahren
2008 und 2009 sank die Lehrlingszahl um einige Prozent", erklären Pichler und
Munter. "Zweitens ist das Ausbildungsangebot in der Berufsbildung in den letzten
Jahren deutlich gestiegen."
Was sich nach den Zahlen des Amtes für
Lehrlingswesen in den letzten zehn Jahren stark erhöht habe, sei der Anteil der
Lehrlinge, die nach dem ersten Lehrjahr den Beruf wechseln, sowie jener, die
nach dem Lehrende den Betrieb wechseln. "Beide Phänomene sind ein Trend der
Zeit", erklärt Pichler. "Heutzutage probieren die Jugendlichen oft mehrere
Berufe aus bevor sie sich festlegen, und auch am Arbeitsmarkt gibt es viel mehr
Bewegung als früher."
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