Die Europäische Kommission hat einen Entwurf vorgelegt, mit dem die europäischen Bestimmungen zum öffentlichen Auftragswesen überarbeitet werden sollen. Ziel der neuen Richtlinie ist es, die Chancen der kleinen und mittelständischen Betriebe bei öffentlichen Ausschreibungen zu verbessern.
Der für den Europäischen Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Michel Barnier
hat einen Entwurf der Kommission vorgelegt, mit dem die europäischen
Bestimmungen zum öffentlichen Auftragswesen überarbeitet werden sollen. Darin
werden die Grenzwerte neu festgelegt, oberhalb welcher
Ausschreibungen auf europäischer Ebene stattfinden müssen. Ziel der neuen
Richtlinie ist es aber vor allem, die Chancen der kleinen und mittelständischen
Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen zu verbessern.
18
Prozent des Bruttosozialprodukts der EU Staaten wird derzeit öffentlich
beauftragt. Dazu gehören Bauaufträge, Dienstleistungsaufträge und allgemeine
öffentliche Lieferaufträge. In den vergangenen Jahren wurden die
Auftragsbestimmungen zunehmend komplizierter, sodass kleine und mittlere
Unternehmen immer schwerer zu solchen Aufträgen kamen. Auch in Südtirol haben
KMUs immer öfter das Nachsehen, seitdem im öffentlichen
Auftragswesen das italienische und nicht mehr das Südtiroler Vergabegesetz
angewandt werden muss.
Dem will die EU-Kommission nun entgegenwirken.
Geht es nach den Vorstellungen von Kommissar Barnier, sollen größere Bauaufträge
zukünftig generell in Lose unterteilt werden. Das italienische
Gesetz verbietet derzeit eine solche Aufteilung in Lose. Auch muss verhindert
werden, dass das gleiche Unternehmen verschiedene Lose des gleichen Auftrags an
Land ziehen kann. Für die bürokratischen Unterlagen sollen vermehrt
Eigenerklärungen ausreichen. Zudem soll der größte Teil der
Unterlagen vom Unternehmen vorgelegt werden müssen, nachdem es die Ausschreibung
gewonnen hat. Alle anderen Unternehmen müssen dann nicht wie bisher teure und
arbeitsintensive Dokumente produzieren.
Neu eingeführt werden soll auch
ein europäischer Ausschreibungspass. Diesen sollten die lokalen
Behörden an Unternehmen vergeben, welche die Voraussetzungen besitzen, an
europäischen Ausschreibungen teilzunehmen. Mit diesem Pass kann sich das
Unternehmen dann in ganz Europa um öffentliche Aufträge bemühen, ohne bei jeder
Ausschreibung die Voraussetzungen neu beweisen zu müssen.
Der Vorschlag
der Kommission kommt nun in das Europäische Parlament, welches zusammen mit dem
Rat, der Versammlung der Mitgliedstaaten, die neue Regelung beschließen muss. Im
Laufe des Jahres 2012 wird es dann eine neue europäische Vergaberichtlinie
geben. Diese muss dann in den Mitgliedstaaten mit eigenem Gesetz übernommen
werden.
"Ich werde versuchen, die Interessen unserer klein- und
mittelständischen Betriebe in der neuen Richtlinie abzusichern. Dann ist es aber
von entscheidender Bedeutung, dass diese Gelegenheit genutzt wird, um die
gesamte Materie in Südtirol mit einem neuen Landesgesetz zu regeln, um aus der
derzeitigen Unsicherheit herauszukommen" meint der Südtiroler EU- Abgeordnete
Herbert Dorfmann zum Kommissionsentwurf.
Der
LVH begrüßt den Willen der Europäischen Kommission, die
Bestimmungen zur öffentlichen Auftragsvergabe zu überarbeiten, um den Klein- und
Mittelbetrieben bessere Chancen zu ermöglichen. Ebenso wie Dorfmann tritt der
LVH für ein neues Landesgesetz in
Südtirol ein. "Die neue EU-Vergaberichtlinie gibt dem Land die Gelegenheit, ein
neues Landesgesetz auf die Beine zu stellen, das besser an Südtirol angepasst
ist und von Rom nicht angefochten werden kann", sagt Lanz.
Die Betriebe
verschiedener Sektoren, v a. des Bauwesens, beklagen große Rückgänge bei den
öffentlichen Aufträgen - dies auch, weil für die Ausschreibung öffentlicher
Aufträge in Südtirol seit 2009 nur mehr die Staatsregeln gelten. "Es verwundert,
dass sich mit der EU nun die größte Institution am stärksten für die Belange der
Kleinen einsetzt", sagt Lanz. "Ausgehend von der EU muss nun eine massive
Verbesserung der Situation der Klein- und Mittelbetriebe bei den öffentlichen
Aufträgen eintreten, denn die Lage vieler Betriebe ist besorgniserregend", warnt
Lanz.
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